„Jüdische Familien in Hof an der Saale: Schicksale und Verfolgung im Nationalsozialismus“ von Ekkehard Hübschmann

*Rezension*

Am 21. Januar 2019 erschien im Transit Verlag das gebundene Buch „Jüdische Familien in Hof an der Saale – Schicksale und Verfolgung im Nationalsozialismus“ von Ekkehard Hübschmann:

DSC02174

Hof an der Saale gehört zu jenen Orten, in denen Nationalsozialismus und Antisemitismus schon lange vor 1933 Fuß fassten, und das, obwohl noch bei den ersten bayerischen Landtagswahlen etwa fünfzig Prozent der Wählerinnen und Wähler dort die USPD wählten, die linke Abspaltung der SPD. Zum »Deutschen Tag« im September 1923, abgehalten von völkischen Verbänden mit Rednern wie Adolf Hitler, schmückte sich die Stadt mit Fahnen und Blumen. Beschwerden jüdischer Kaufleute beim Stadtrat wegen Beleidigungen und Boykottaufrufen halfen nichts. Insofern war es nach 1933 keine Überraschung, dass die Gerichte, die Polizei und die Behörden in Hof alles dafür taten, den Juden das Leben und Überleben schwer zu machen. Kaufleute, Juristen, Ärzte. Lehrer und Handwerker wurden in »Schutzhaft« genommen, öffentlich gedemütigt und durch die Hauptstraße der Stadt getrieben. Der Historiker Ekkehard Hübschmann hat, um die Verfolgung authentisch und mit vielen Details darstellen zu können, die Schicksale und die Geschichte von sechs Familien akribisch recherchiert, hat in verschiedenen Archiven Dokumente über deren Verfolgung bis hin zur Deportation und Ermordung gefunden, hat mit den Nachkommen Überlebender über die Erfahrungen in der Emigration bzw. nach der Rückkehr nach Deutschland gesprochen.

Quelle Text: Transit Verlag

DSC02175

Dieses Buch macht einfach nur betroffen und fassungslos. Der Autor stellt sechs jüdische Familien und ihre schrecklichen Schicksale vor. Detailliert werden die Schikanen beschrieben, unter denen Juden in Hof an der Saale leiden mussten. Viele original Fotos zeigen Familienmitglieder und erreichen dadurch eine große Nähe zum Leser.

Im Buch findet sich auch ein alphabetisches Verzeichnis der 161 Bürger von Hof, die in der NS-Zeit als Juden verfolgt wurden. Neben Namen und Geburtsdatum sind das Deportierungs-Datum und das jeweilige Alter des Deportierten zu sehen – schrecklich.

Ich habe sehr lange gebraucht, um dieses Buch zu lesen, denn ich konnte das Gelesene oft kaum ertragen.

Eine großartige, wichtige Dokumentation, stellvertretend für alle Gräueltaten der NS-Zeit, die jeder lesen sollte, damit sich so etwas nie mehr wiederholt!

„Jüdische Familien in Hof an der Saale“ von Ekkehard Hübschmann, erschienen im Januar 2019 bei Transit, gebunden, 340 Seiten, 24,80 Euro, ISBN 978-3887473709

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s