Archiv für den Monat August 2018

„Drei sind ein Dorf“ – Roman von Dina Nayeri

*Rezension*

Dina Nayeri wurde während der Islamischen Revolution im Iran geboren und emigrierte als Zehnjährige in die USA. Sie studierte in Princeton und Harvard und lebte später einige Zeit in den Niederlanden, aktuell wohnt sie in London. Bei mare erschien 2013 ihr Debüt Ein Teelöffel Land und Meer, das zu einem großen Presse- und Publikumserfolg und in vierzehn Sprachen übersetzt wurde. Ihr neuer Roman „Drei sind ein Dorf“ erschien im August 2018 als gebundene Ausgabe bei mare. Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.

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Mit knapp dreißig hat Nilou alles erreicht. Wer hätte je geglaubt, dass sie eine Eliteuniversität besuchen, einen weltgewandten Juristen heiraten und ihre eigene Wissenschaftskarriere beginnen würde? Als Kind ist sie mit ihrer Mutter aus dem Iran geflohen – in die tiefste amerikanische Provinz, wo man sie nicht eben offenherzig empfangen hat. Doch sie hat ehrgeizig nach den Idealen der westlichen Welt gestrebt und sich komplett neu erfunden. Alles könnte also gut sein, wäre da nicht Nilous Vater, ein opiumsüchtiger Verehrer altpersischer Lyrik, der ihr vom Iran aus die Kluft vor Augen führt, die die Familie voneinander trennt. Als Nilou in Amsterdam auf eine Gruppe iranischer Exilanten trifft, mit ihnen kocht und ihren Erzählungen lauscht, erwacht eine alte Sehnsucht in ihr: nach einer Heimat, in der sie ganz einfach sie selbst sein darf.

Quelle Text: mareverlag

Obwohl Nilou in der westlichen Welt vieles erreicht hat, spürt sie im Innern eine Sehnsucht nach ihren Wurzeln. Sie lebt mit ihrem Ehemann in Amsterdam und versucht dort, ohne iranische Freunde, ein westliches Leben zu führen. Bald kriselt es in der Ehe und Nilou beginnt, sich mit anderen Iranern in Amsterdam zu treffen. Dort findet sie auch ohne viel Worte Verständnis für ihre Situation.

In dem Jahren nach ihrer Emigration aus dem Iran, trafen Nilou und ihr Bruder Kian ihren Vater vier Mal in einem Drittland, für das ihr Vater ein Touristenvisum bekam. Doch bei jedem Treffen merken die Geschwister ganz deutlich die Kluft zwischen Vater und Kindern, denn die vielen Jahre ohne Vater können sie nicht vergessen. Ein nahtloses Anknüpfen an vergangene Zeiten ist nicht möglich, zumal Nilou ihren Vater für seine Opiumsucht verachtet. Letztendlich lehnt sie 2009 den Kontakt zum Vater ab, als dieser sie um Hilfe bittet. Am Ende des Romans trifft sich Nilou mit ihren Eltern in Amsterdam

Der bewegende Roman wird abwechselnd in der Gegenwart (2009) und in Rückblenden erzählt. Während der Rückblenden erfährt der Leser, wie die vier Treffen von Nilou und Kian mit ihrem Vater abliefen und wie ihr Vater im Iran lebt. Nach dem Weggang seiner Familie heiratete er noch zwei Mal, doch beide Ehen scheiterten.

Durch Rückblicke wird ganz deutlich, dass Nilou in ihrem Innersten nicht in der westlichen Welt angekommen ist. Ihre Heimat, der Iran, spielt weiterhin ein große Rolle in ihrem Leben. Thematisiert werden auch Vater-Tochter-Konflikte und ihre Bewältigung – schwierig, wenn man jahrelang keinen Kontakt hat.

Ein sehr emotionsvoller Roman über eine junge Frau, die ihr Heimatgefühl vermisst und krampfhaft versucht, dieses wieder zu finden. Top aktuell in der heutigen Flüchtlingskrise!

„Drei sind ein Dorf“ von Dina Nayeri, erschienen im August 2018 bei mare, gebunden, 368 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-3866482869

Herzlichen Dank an den mareverlag für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.

 

 

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Lustiges Taschenbuch Mundart „Berlinerisch“erschienen!

*Rezension*

Kiek ma an! Parkplatzprobleme gibt’s auch in Entenhausen. Wie die gelöst werden könnten, wird in Walt Disney Lustiges Taschenbuch „LTB  Mundart Berlinerisch“ verraten. „Da kann sich eener ausm richtjren Leben een Beispiel nehmn“. Donald Duck macht es vor, wie Parkplatzprobleme blitzschnell behoben werden können. Ein
brandaktuelles Thema für Berlin, Shanghai, New York und andere Metropolen.

LTB Mundart-typisch gibt’s jede Menge Lesespaß und die Entenhausener verbinden mit Berlin nicht nur das Brandenburger Tor oder die Currywurst, sondern auch die legendäre Koddaschnauze. In dieser Ausgabe legen die Entenhausener auf Berlinerisch so richtig schnoddrig drauf los!

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Parkplatzmangel in Großstädten – Im ersten Lustigen Taschenbuch „Mundart Berlinerisch“ zeigen die Entenhausener Lösungen auf! Es erscheint heute, am 31. August 2018, zum Preis von 4,99 Euro und enthält 6 witzige Geschichten:

  • Der unbekannte Autor
  • Leckre Würschte
  • Meesta dit Einparkens
  • N Oognblick volla Majie
  • Mannzipation
  • Mission in Berlin

Die lustigen Geschichten der Entenhausener in typischer Berlinerischer Mundart werden große und kleine Fans bestimmt begeistern.

Herzlichen Dank an Egmont Ehapa Media für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.

Genki Kawamura: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden – Hörbuch gelesen von Jan Katzenberger

*Rezension*

Der 1979 geborene japanische Filmproduzent Genki Kawamura hat mit seinem ersten Roman einen internationalen Bestseller vorgelegt, der auch erfolgreich verfilmt worden ist. Sein Debüt-Roman „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ erschien im Juli 2018 als ungekürzte Lesung bei steinbach sprechende bücher. Gelesen wird das Hörbuch vom Schauspieler Jan Katzenberger.

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Ein junger Briefträger erfährt überraschend, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat. Als er nach Hause kommt, wartet auf ihn der Teufel in Gestalt seines Doppelgängers. Er bietet ihm einen Pakt an: Für jeden Tag, den er länger leben möchte, muss eine Sache von der Welt verschwinden. Welche, entscheidet der Teufel. Der Briefträger lässt sich auf dieses Geschäft ein. Am Tag darauf verschwinden alle Telefone. Am zweiten Tag die Filme, am dritten alle Uhren. Als am vierten Tag alle Katzen verschwinden sollen, gebietet der Briefträger dem Teufel Einhalt. Und tut etwas völlig Überraschendes…

Quelle Text: steinbach sprechende bücher

Kawamuras leicht verständlicher Debütroman befasst sich mit den philosophischen Fragen: was ist wichtiger? Die Länge eines Lebens oder die Intensität wie wir unser Leben gelebt haben? Und was würden wir für eine Verlängerung des Lebens opfern? Ein sehr nachdenklich machender Roman, der zeigt, was das Leben wirklich lebenswert macht! Bei aller Tragik gibt es dennoch viele humorvolle Passagen, die mir ein Lächeln ins Gesicht zauberten.

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Sehr effektvoll und mitfühlend erzählt von Jan Katzenberger, der dem tiefen Sinn der Geschichte mit seiner ruhigen Stimme Nachdruck verleiht.

„Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ von Genki Kawamura, ungekürzte Lesung mit Jan Katzenberger erschienen im Juli 2018 bei steinbach sprechende bücher, 193 Minuten, 1 MP3-CD, 19,99 Euro, ISBN  978-3869743431

Herzlichen Dank an steinbach sprechende bücher für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.

 

Monika Bittl: Ohne meinen Mann wär ich glücklich verheiratet. Lesewellness für die Frau mit Anhang

*Rezension*

Die 1963 geborene freie Schriftstellerin Monika Bittl schrieb rund 30 Drehbücher (unter anderem „Pumuckl“, „Lindenstraße“ und „Sau sticht“). Mit ihrem Buch „Ich hatte mich jünger in Erinnerung – Lesebotox für die Frau ab 40“  stand sie über ein halbes Jahr auf  Nummer eins der Spiegel-Paperback-Bestsellerliste. Ihr neuestes Buch heißt „Ohne meinen Mann wär ich glücklich verheiratet“. Es erschien am 1. August 2018 bei Knaur als Taschenbuch.

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Nach ihren Bestsellererfolgen „Ich hatte mich jünger in Erinnerung“ und „Ich will so bleiben, wie ich war“, die sich um das Älterwerden drehten, nimmt Monika Bittl nun in „Ohne meinen Mann wär ich glücklich verheiratet“ die Paarbeziehung unter die Lupe. Unglaublich komisch, ehrlich und charmant berichtet sie über die langjährige Ehe – eine Institution, die nur für Frauen geeignet ist, die sonst keine Probleme haben. Denn sind wir erst mal ein paar Jahre verheiratet, wird der Alltag manchmal – sagen wir mal so: zur Herausforderung. Nicht nur treten die Schrullen der Ehepartner immer deutlicher zutage, auch ist mittlerweile klar, welche noch so banalen Situationen unweigerlich zum Streit führen – und sei es die Frage, ob in der Kühlschranktür die Milchpackung links oder rechts stehen sollte.

In herrlich unterhaltsamen Alltagsgeschichten beleuchtet die Spiegel-Bestsellerautorin die liebenswerten wie die absurden Seiten, die eine Partnerschaft mit sich bringt. Ob der häufigere Scheidungsgrund eine Affäre oder die ewig herumliegenden dreckigen Socken des Partners sind, wird hier letztgültig geklärt – und sogar eine mathematische Formel für eine lange und glückliche Ehe gefunden!

Quelle Text: Knaur Verlag

Beim Lesen habe ich lachend viele Parallelen zu meinem eigenen Leben entdeckt 🙂 Mit ihrem humorvollen Blick auf die Ehe und Eheprobleme zeigt die Autorin, dass es vielen Menschen genauso geht wie einem selbst.

In vielen Geschichten tauchen bekannte Alltagssituationen auf, die mit Tipps und Statistiken „garniert“ sind. Alles in einem sehr humorvollen, zum Teil überspitzten, Schreibstil.

Ein sehr kurzweiliges Buch voll mit schwarzem Humor für alle, die verheiratet sind oder es vorhaben!

„Ohne meinen Mann wär ich glücklich verheiratet“ von Monika Bittl, erschienen im August 2018 bei Knaur, Taschenbuch, 240 Seiten, 12,99 Euro, ISBN 978-3-426-78965-0

Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.

 

Audrey Carlan: Dream Maker – Sehnsucht (The Dream Maker, Band 1)

*Rezension*

Audrey Carlan veröffentlichte ihre Romane erst als Selfpublisherin und wurde bald zur internationalen Bestseller-Autorin. Ihre Serien »Calendar Girl« und »Trinity« landeten auch in Deutschland auf den Bestseller-Listen. Im Juli 2018 erschien im Ullstein Verlag der 1. Band aus der Dream Maker-Reihe mit dem Titel Dream Maker – Sehnsucht. Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Christiane Sipeer und Friederike Ails.

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Parker Ellis, auch Dream Maker genannt, führt die legendäre Agentur ‚International Guy‘. Was er anbietet: alles, was sexy, tough und unwiderstehlich macht. Wer seine Kundinnen sind: Frauen aus der ganzen Welt, die Coaching in Sachen Liebe, Leben und Karriere suchen. Was ihn auszeichnet: Sein unglaublicher Sex-Appeal und seine beiden Partner Bogart ‚Bo‘ Montgomery, der Love Maker, und Royce Sterling, der Money Maker. Seine Aufträge führen den Dream Maker von Paris über New York bis nach Kopenhagen. Die Devise lautet höchste Professionalität, doch schon die zweite Kundin in New York City lässt Parker schwächeln. Die junge Schauspielerin Skyler ist im Begriff, sein Herz zu erobern …

Quelle Text: Ullstein Verlag

Erzählt wird der Roman aus Sicht eines Mannes – und genau das ist leider nicht die beste Idee der Autorin. Die Hauptprotagonisten sind mir alle nicht wirklich sympathisch, dazu trägt auch das Verhalten von Parker Ellis massgeblich bei, denn er hält sich für unwiderstehlich. Auch die Beschreibungen der Erotikszenen haben mir nicht gefallen – sie wirkten auf mich sehr vulgär. Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Ich wusste, dass es sich bei dieser Buch-Reihe um einen erotischen Roman handelt, doch von Sex und Erotik gab es einfach zu viel.

Der erste Band der Reihe enthält drei Kurzgeschichten, die sich inhaltlich sehr ähneln und leider sehr oberflächlich sind.

Leider bin ich von 1. Band der Dream Maker-Reihe enttäuscht und hoffe, dass der Folgeband unterhaltsamer wird.

„Dream Maker – Sehnsucht“ von Audrey Carlan, erschienen im Juli 2018 im Ullstein Verlag, Taschenbuch, 464 Seiten, 12,90 Euro, ISBN 9783548290478

Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.

„Beale Street Blues“ von James Baldwin – ungekürzte Lesung mit Constanze Becker

*Rezension*

Vor 45 Jahren schrieb der 1987 verstorbene James Baldwin mit “Beale Street Blues” einen Roman, der seiner Zeit weit voraus war. Der bewegende Roman über Rassismus und die Willkür der Justiz erschien als ungekürzte Lesung mit Constanze Becker im Der Audio Verlag.

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Harlem, Anfang der 70er-Jahre:

Clementine Rivers, von allen nur Tish genannt, und Fonny sind ein Liebespaar. Sie kennen sich seit ihrer Jugend und jetzt haben die beiden Großes vor: Tish ist schwanger und sie wollen heiraten. Doch es kommt zur Katastrophe, denn Fonny sitzt wegen angeblicher Vergewaltigung einer Puertoricanerin im Gefängnis. Der Vorwurf dieser  Vergewaltigung ist ein Racheakt eines weißen Polizisten, der einige Zeit vorher in Brooklyn einen schwarzen Jugendlichen erschoss. Die Familie von Tish und auch Fonnys Vater versuchen alles, um Fonnys Unschuld zu beweisen. Doch sie müssen gegen die erbitterten Widerstände der weißen Justiz kämpfen. Die Chancen auf Fonnys Freilassung stehen sehr schlecht, denn das rassistische System ist stärker.

Auch wenn Baldwins Roman schon 45 Jahre alt ist – von seiner Aktualität hat er nichts verloren. Inspiriert wurde der Autor von einem realen Fall: sein Freund Tony Maynard  saß wegen Mordes sechs Jahre lang unschuldig im Gefängnis.

Der Roman zeigt, wie Liebe im Kampf gegen die Willkür einer weißen Justiz wächst. Er zeigt aber auch, welche Auswirkungen Rassismus hat, der fast wie die Fortsetzung der früheren Sklaverei daher kommt. Es gibt auch Hoffnung, die sich in der Handlung weißer, nicht rassistischer Personen zeigt. Authentisch wirkt der zeitweise eingesetzte schwarze Slang – mit seinen Kraftausdrücken ist er jedoch etwas gewöhnungsbedürftig.

Gelesen wird der bewegende Roman mit ganz viel Gefühl von Constanze Becker. Sie gibt der Ich-Erzählerin Tish eine Stimme, die gehört werden will – eindringlich und lange nachhallend.

Was für ein großartiger Roman, der wütend und zugleich betroffen macht! Im beiliegenden Booklet findet man noch sehr interessante Hintergrundinfos zum Autor und der Entstehung des Romans.

„Beale Street Blues“ von James Baldwin, ungekürzte Lesung mit Constanze Becker, erschienen im Juli 2018 bei Der Audio Verlag, 5 CD´s, 5 Stunden/37 Minuten Laufzeit, 22 Euro, ISBN 978-3-7424-0637-8

Herzlichen Dank an der Audio Verlag für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.

 

Lena Kuhlmann: Psyche? Hat doch jeder! Vom Hin und Her zwischen Herz und Hirn

*Rezension*

Lena Kuhlmann, geboren 1985, ist approbierte Kinder- und Jugendlichen-psychotherapeutin mit tiefenpsychologischem Schwerpunkt. Sie arbeitet aktuell in einer psychiatrischen Ambulanz und in einer sozialpsychiatrischen Praxis. Um gegen die Stigmatisierung psychisch Kranker anzuarbeiten, veröffentlicht sie seit 2016 Artikel rund um Psyche und Psychotherapie und schreibt als Bloggerin und engagierte Expertin auch für die breite Öffentlichkeit auf ihrem Blog »freud mich«

Quelle Text: Eden Books

Ihr Sachbuch „Psyche? Hat doch jeder!“ erschien im August 2018 bei Eden Books als Klappenbroschur:

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Depression, Essstörungen, Panikattacken – diese psychischen Erkrankungen sind uns längst allen ein Begriff! Doch warum geraten Körper und Seele eigentlich aus dem Gleichgewicht? Und warum sind psychische Probleme im Gegensatz zu körperlichen noch immer ein Tabuthema? Was ist das überhaupt genau – die Psyche? Lena Kuhlmann ist neben ihrer Arbeit als Psychotherapeutin auch engagierte Bloggerin und hat ein Buch geschrieben, das all diese Fragen beantwortet: In»Psyche? Hat doch jeder!« nimmt sie die Leser mit auf eine Reise durch die menschliche Psyche, räumt dabei mit alten Vorurteilen über psychisch Kranke, Happy Pills und Co. auf und gibt konkrete Tipps und Hilfestellungen für Betroffene und Angehörige.

Zudem gewährt sie mit zahlreichen Anekdoten einen spannenden Einblick in den Therapeuten-Alltag. Denn da macht man weit mehr als auf einem gemütlichen Sessel zu sitzen und bedächtig mit dem Kopf zu nicken. Lena Kuhlmanns größtes Anliegen? Die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen, ein offenerer gesellschaftlicher Umgang mit dem Thema und das Verständnis, dass die Gesundheit unserer Seele ebenso wichtig ist wie die unseres Körpers.

Mit ihrem leicht verständlichen Schreibstil erklärt die Autorin das komplexe Thema der Psychotherapie. Dabei gibt sie dem Leser das Gefühl, erst genommen zu werden und nicht mit dem Tabu einer psychischen Erkrankung ganz allein zu sein. Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen werden wirksam entkräftet und nützliche Hilfestellungen aufgezeigt.

Dieser wertvolle Ratgeber gibt psychisch erkrankten Menschen Mut, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, da eine psychische Erkrankung nichts mit verrückt sein zu tun hat.

Ein sehr informatives Sachbuch, das psychische Erkrankungen aus dem Tabu-Bereich herausholt!

„Psyche? Hat doch jeder!“ von Lena Kuhlmann, erschienen im August 2018 bei Eden Books, Klappenbroschur, 256 Seiten, 16,95 Euro, ISBN 978-3959101509

Herzlichen Dank an Eden Books für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.

 

Ulrike Renk: Die Zeit der Kraniche (Die Ostpreußen Saga, Band 3)

*Rezension*

Die 1967 geborene Autorin Ulrike Renk studierte Literatur und Medienwissenschaften. Ihr dritter und letzte Band aus ihrer Ostpreußen-Saga mit dem Titel „Die Zeit der Kraniche“ erschien im Juli 2018 im Aufbau Verlag als Taschenbuch.

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Nach dem dringlich herbeigesehnten Ende des Krieges besetzen die sowjetischen Truppen das Land. Viele Gutsfamilien verlassen ihre Heimat und ziehen in den Westen. Auch Gebhards Brüder und seine Mutter. Er jedoch kann sich einfach nicht dazu entschließen, das Land seiner Väter zu verlassen. Dann wird er denunziert und verhaftet. Frederike droht das gleiche Schicksal. In letzter Sekunde schafft sie es zu fliehen – aber wird ihr ein Neuanfang gelingen? Und was ist mit Gebhard?

Quelle Text: atb

Nachdem ich Frederike in Band 1 und 2 als Kind und junge Frau kennen gelernt hatte, habe ich sie in Band 3 als erfahrene Gutsbesitzerin erlebt. Der dritte Band schließt inhaltlich nahtlos an den 2. Band an und ich konnte sofort wieder in die fesselnde Familiengeschichte Frederikes eintauchen.

Leider weist der Abschlussband zeitweise einige Längen auf, denn zu oft werden die gleichen Tagesabläufe auf dem Gut ausgiebig thematisiert. Dennoch hat mich das dramatische  Geschehen während des Krieges sehr berührt: die Autorin hat auch den Nebenprotagonisten, wie Zwangsarbeitern und Flüchtlingen, einen großen Raum gegeben. Ich habe mit ihnen gebangt und gelitten, denn die Ereignisse waren oft sehr grausam und sehr detailgetreu.

Ich konnte auch diesen Band der Ostpreußen-Saga kaum aus der Hand legen, so fesselnd wird die schwere Zeit während des Krieges und auch danach beschrieben.

In ihrem Nachwort erklärt die Autorin, welche Ereignisse fiktiv sind und welche Geschehnisse wahr sind (die Geschichte der Familie zu Putlitz). Sehr schade, dass jetzt kein weiterer Band aus der Reihe mehr folgt – es fällt mir sehr schwer, mich von Frederike und ihrer Familie zu verabschieden.

„Die Zeit der Kraniche“ von Ulrike Renk, erschienen im Juli 2018 bei atb, Taschenbuch, 515 Seiten, 12,99 Euro, ISBN 978-3-7466-3356-5

Herzlichen Dank an atb für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.

„Der Reiniger“ – Hörbuch von Inger G. Madsen, gelesen von Ulrike Folkerts

*Rezension*

Die dänische Autroin Inger G. Madsen arbeitete lange als Grafikdesignerin bevor sie 2008 ihren ersten Krimi veröffentlichte. Die Buch-Reihe mit dem Ermittler Roland Benito umfasst heute schon 10 Bücher.

Im Juli 2018 erschien der erfolgreiche, dänische Krimi „Der Reiniger“ von Inger G. Madsen als deutschsprachiges Hörbuch bei steinbach sprechende bücher. Gelesen wird das ungekürzte Hörbuch von der bekannten Schauspielerin Ulrike Folkerts.

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Eine Reihe von mysteriösen Todesfällen hält die Polizei in Aarhus und Horsens in Atem. Ein Gefängniswärter springt aus einem Fenster im vierten Stock, eine Anwältin stirbt bei einem Unfall, ein hoher Richter wird entführt. Die Journalistin Anne Larsen und der Polizist Roland Benito recherchieren und bald verdichtet sich der Verdacht, dass die Opfer von einem Auftragskiller ermordet wurden. Doch warum? Der Jugendliche Bertram Karlsen hat die Morde gesehen – auf einer Todesliste in einem geheimen Netzwerk. Plötzlich tauchen dort zwei weitere Namen auf: der seiner Mutter und sein eigener…

Quelle Text: steinbach sprechende bücher

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Der spannende Kriminalroman hat eine Besonderheit: die Morde werden nicht von Anfang bis Ende erzählt und dann gelöst, sondern der Hörer/Leser taucht mitten in die Handlung ein. Das ergibt eine Reihe von unerwarteten Wendungen und Ortswechseln, die den Spannungsbogen hoch halten. Am Ende löst sich alles logisch und doch sehr knapp gehalten auf –  ich hätte mir einen ausführlicheren Ausgang der Geschichte gewünscht.

Mit der beliebten Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts ist die Sprecherwahl sehr gelungen. Sie besitzt eine sehr angenehme, fesselnde Stimme, der ich gern zugehört habe. Außerdem gibt sie jedem Protagonisten eine eigene Tonlage, so dass ich sie gut unterscheiden konnte.

„Der Reiniger“ Hörbuch von Inger G. Madsen, gelesen von Ulrike Folkerts, erschienen im Juli 2018 bei steinbach sprechende bücher, 311 Minuten, 1 MP3-CD, 14,99 Euro, ISBN 978-3869743394

Herzlichen Dank an steinbach sprechende bücher für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.