„Der Tag X“ – Roman von Titus Müller

Der 1977 geborene Titus Müller studierte Literatur, Geschichtswissenschaft und Publizistik. 1998 begründete er die Literaturzeitschrift „Federwelt“. Seinen ersten Roman veröffentlichte Müller Es folgten viele andere historische Romane. Sein neuer Roman „Der Tag X“ erschien im Februar 2017 im Blessing Verlag als gebundene Ausgabe.

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Das Leben der Gymnasiastin Nelly Findeisen wird mit jedem Tag komplizierter. Es reicht nicht, dass sie ihren Vater, der vor sieben Jahren nach Russland abkommandiert wurde, nie mehr sieht. Auch ihre Mutter wird ihr zusehends fremder, hat sie sich doch mit einem neuen Mann eingelassen, den Nelly einfach nicht als Ersatzvater akzeptieren kann. Obendrein wird sie kurz vor dem Abitur im Frühjahr 1953 von der Schule geworfen . Man hält ihr ihr Engagement in der Jungen Gemeinde, der Jugendorganisation der Kirche, vor. Sie soll sich öffentlich in einer Art Schauprozess in der Schule davon distanzieren, weigert sich jedoch.

Immerhin hat sie jetzt am Müggelsee eine recht aufregende Bekanntschaft gemacht: ein junger Uhrmacher, der sich ganz offen von ihr fasziniert zeigt. Doch als Nelly ihn in seinem eigenen Laden aufsucht, kommt er ihr verschlossener und auch verschrobener vor, als vermutet. Aber so leicht Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt:  lässt sich Wolf Uhlitz nicht abwimmeln. Er findet Nellys Adresse heraus und geht mit ihr aus. Er begleitet sie sogar zu einem Treffen der Jungen Gemeinde, obwohl ihm das Christentum zutiefst fremd und suspekt ist. Er weiß nicht recht, ob er diese Leute für ihre offenen Worte, ihre kritische Einstellung zum SED-Staat bewundern oder verachten soll.

Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

Mit seiner temporeichen und lebendigen Erzählweise bringt der Autor dem Leser die Ereignisse des Jahres 1953 nahe. Eingebettet in eine fiktive Geschichte wird der reale Volksaufstand vom 17. Juni 1953 thematisiert. Und das so spannend und mitreißend – besser kann man Geschichte nicht vermitteln!

Sehr gute recherchiert und packend geschrieben!

„Der Tag X“ von Titus Müller, erschienen im Februar 2017 bei Blessing, gebunden, 400 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3896675040

Bildnachweis: copyright Blessing Verlag

Herzlichen Dank an den Blessing Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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