„Über die Ostsee in die Freiheit“ dramatische Fluchtgeschichten von Christine & Bodo Müller

Bodo Müller wurde in Könnern in Sachsen-Anhalt geboren, studierte nach dem Abitur zunächst auf Lehramt, danach Journalismus und Fotografie.
Sein erster Segeltörn führte ihn 1978 mit einer Jolle von Rumänien die Donau abwärts und übers Schwarze Meer – was DDR-Bürgern normalerweise nicht erlaubt war. Kurz vor dem Bosporus kehrte er zurück in den Ostblock. Die Stasi quittierte diesen Jugendstreich mit künftigem Reiseverbot und ließ ihn fortan überwachen.
Ab 1982 arbeitete Bodo Müller als Journalist in Rostock, machte alle nautischen Patente für die Sportschifffahrt und avancierte zum führenden Segel-Fotograf der DDR. Seine Fotos erschienen in Magazinen, Büchern, Kalendern und der Poster-Edition des DDR-Kunsthandels.
Wegen systemkritischer Äußerungen und dem Verdacht auf Republikflucht ließ ihn der SED-Staat seit Mitte der 80er Jahre keinen Meter mehr aufs Meer. Längst wurde er bei der Stasi als „Staatsfeind“ geführt und von insgesamt 17 IMs überwacht.
1985 versuchte Bodo Müller über die Ostsee zu fliehen, wurde verhaftet und im berüchtigten Rostocker Stasi-Gefängnis inhaftiert. 1986 stellte er mit Familie einen Ausreiseantrag und durfte im Sommer 1989 in die Bundesrepublik ausreisen.

Bodo Müller schrieb bzw. fotografierte mehr als ein Dutzend Bücher, vor allem nautische Reiseführer, aber auch zeitgeschichtliche Werke. Sein erfolgreichstes Buch“ Über die Ostsee in die Freiheit“ (mit Christine Vogt-Müller) wurde von der ARD verfilmt.

Veröffentlicht wurde das Buch als 1. Auflage 2017 bei Delius Klasing als gebundene Ausgabe im Pocketformat.

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Die nasse deutsche Grenze – wer kennt sie schon? Anders als bei Mauer und Stacheldraht gab es über sie bisher keine Dokumentation. Westsegler fürchteten den unsichtbaren Todesstreifen. Ihnen schien das Feuer von Kap Arkona wie Licht von einem fremden, gefährlichen Stern. Ostsegler wurden mit martialischer Abschreckung und ausgeklügelter Überwachung ferngehalten. Ein Paddel im Rucksack, ein Faltboot im Zelt konnte Gefängnis bedeuten. Dennoch versuchten rund 5000 Männer, Frauen und Kinder über die Ostsee zu fliehen – viel mehr als bisher bekannt: in Segelyachten, Schlauchbooten, Kajaks, mit Surfbrettern, selbstgebauten Mini-U-Booten oder einfach als Schwimmer. Sogar Grenzer suchten mit ihren Wachschiffen die Freiheit. Fesselnd berichten die Rostocker Autoren über viele noch unbekannte Fluchtabenteuer – erfolgreiche und tragisch gescheiterte. Erstmals wagen es Flüchtlinge, ihr dramatische Geschichte zu erzählen. Zahlreichte Fotodokumente und Faksimiles belegen den zeitgeschichtlichen Rang dieses Buches.

Dieses Buch ist eine erschütternde Dokumentation über den unsichtbaren Todesstreifen „Ostsee“.  Unterteilt ist das Buch in zwei große Kapitel:

  • Die nasse Grenze
  • Die Schicksale

Während im 1. Kapitel ausführlich erklärt und beschrieben wird, mit welchen Mitteln die „nasse Grenze“ gesichert wurde, widmet sich das 2. Kapitel vielen Einzelschicksalen. Und es sind genau diese Schicksale, die betroffen machen und mich zutiefst entsetzt und berührt haben. Ergänzt werden die Berichte der Betroffenen mit vielen Fotos, Seekarten und Bildern von Stasi-Protokollen usw.

Selten habe ich so bewegende und zugleich spannende Geschichten gelesen, die die Unmenschlichkeit des DDR-Regimes so treffend wiedergeben. Lesenswert!

„Über die Ostsee in die Freiheit“ von Christine & Bodo Müller, erschienen im Januar 2017 bei Delius Klasing, 320 Seiten, gebunden, 10 Euro, ISBN 978-3-667-10680-3

Bildnachweis: copyright Delius Klasing

Herzlichen Dank an Delius Klasing für die Bereitstellung des Besprechungsexemplars.

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