„Der Biograf von Brooklyn“ – Roman von Boris Fishman

Der 1979 in Minsk geborene Boris Fishman kam mit neun Jahren nach Amerika. Er lebt in New York und ist Redaktionsmitglied des New Yorker. „Der Biograf von Brooklyn“ ist sein erster Roman, für den er mit dem VCU Cabell First Novelist Award und der American Library Association’s Sophie Brody Medal ausgezeichnet wurde. Der Roman wurde 2015 im Blessing Verlag veröffentlicht. Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Friedrich Mader.

Der Biograf von Brooklyn von Boris Fishman
Der Biograf von Brooklyn von Boris Fishman

Die Vergangenheit wird umgeschrieben

Den Journalisten Slava Gelman aus Manhattan und seine aus der Sowjetunion nach Brooklyn emigrierte, schrullige Familie trennen nur ein paar U-Bahn-Stationen – und doch Welten. Nun ist Slavas geliebte Großmutter Sofia gestorben, gleichzeitig trifft ein Brief der „Konferenz für jüdische Schadensersatzansprüche gegen Deutschland“ ein. Ob Sofia eine Vergangenheit zu erzählen hat, die eine Entschädigung rechtfertigt? Slavas Großvater wittert eine Gelegenheit. Auch wenn Sofias Schicksal nicht den strengen Anforderungen für eine solche Zahlung entspricht: Ist sein Enkel nicht Schriftsteller? Schriftsteller schreiben doch Geschichten. So wird Slava unfreiwillig und zögerlich zum Biografen seiner Familie. Wenig später kann er sich vor Aufträgen aus der Nachbarschaft kaum retten – bis die ganze Sache aufzufliegen droht …

Fazit

Slava ist ein junger erfolgloser Journalist, der im Gegensatz zu seiner restlichen emigrierten Familie nach Manhattan gezogen ist. Als seine Oma Sofia stirbt, erhält sein Opa kurz nach ihrem Tod ein Schreiben, in dem steht, dass Sofia Ausgleichsansprüche von Deutschland wegen ihrer Zeit im Ghetto beanspruchen kann. Slavas Opa kommt auf die geniale Idee, die Geschichte seiner verstorbenen Frau zu seiner eigenen zu machen und bitte Slava um Hilfe.

Indem Slava über die Kriegserlebnisse seiner Oma schreibt, verknüpft er Wahrheit und erdachte Situationen. Sein Schreiben ist erfolgreich, so dass ihn bald weitere Russen aus der Nachbarschaft um seine Hilfe bei Entschädigungsansprüchen bitten. Slava ahnt nicht, dass sein Opa für jeden erfolgreichen Antrag 500 Dollar kassiert. Doch Slava weiß mittlerweile selbst nicht mehr, war wahr und was Fiktion ist. Schließlich kommt alles heraus.

Die jüdische Vergangenheit wird in diesem Roman mit einem Augenzwinkern beschrieben. Berührend und doch zugleich sehr unterhaltsam wird erzählt, wie Überlebende des Holocaust Schadenersatzsprüche geltend machen, auch wenn sie dazu fremde Erlebnisse zu ihren eigenen machen.

Ein wundervoller Roman, der mich oft schmunzeln ließ, aber auch nachdenklich machte. Schräg und gleichzeitig voller Tragik – ein sehr gelungenes Roman-Debüt!

„Der Biograf von Brooklyn“ von Boris Fishman, erschienen 2015 im Blessing Verlag, gebunden, 384 Seiten, ISBN 978-3-89667-551-4

Herzlichen Dank an den Blessing Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Blessing Verlag

 

 

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