„Kress“ – Roman von Aljosha Brell

Der 1980 geborene Autor Aljoscha Brell lebt in Berlin, wo er ein Team von Webentwicklern in einem Berliner IT-Unternehmen leitet. Er war Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloqiums Berlin und erhielt 2009 das Alfred-Döblin-Stipendium der Berliner Akademie der Künste. „Kress“ ist sein Debütroman, der im September 2015 im Ullstein Verlag als gebundenes Buch veröffentlicht wurde.

Scheitern auf ganzer Linie

Für Kress ist die Welt und das Leben eine einzige Zumutung. Wohin er sieht, Mittelmaß, Dummheit, Ignoranz. Nur an der Universität ist das Leben einigermaßen erträglich. Hier studiert Kress die Großen, Goethe, Kleist, Kant, eben was im 19. Jahrhundert Rang und Namen hatte. Nach dieser glanzvollen Epoche ging es im Grunde bergab, steil, für Kress bis nach Berlin-Neukölln. Dort lebt er in einer winzigen, unsanierten Hinterhofwohnung und führt bei Ketchuptoast und Multivitamintabletten philosophische Gespräche mit dem Tauberich Gieshübler, dem Einzigen, der ihn versteht. Aber dann geschieht etwas Unvorhergesehenes: Kress verliebt sich. Und sieht sich auf einmal gezwungen, all das zu tun, was andere in seinem Alter anscheinend so machen: Wochenendausflüge, Partys, Small Talk. Kress scheitert grandios, an der Welt, an sich selbst. Aber er macht weiter, scheitert wieder, scheitert besser, und am Ende gibt es selbst für jemanden wie ihn noch Hoffnung. Mit dunkler Komik und zarter Melancholie gelingt Aljoscha Brell ein beeindruckendes Debüt – und ganz nebenbei ein wunderbarer Berlin-Roman.

Fazit

Kress ist ein ungewöhnlicher Student, der dem typischen Bild eines Studenten überhaupt nicht entspricht. Er lebt abgeschieden im tiefsten Neukölln, einem Berliner Bezirk, der fest in türkisch-arabischer Hand ist. Kress muss zwangweise sein Leben ändern, als er sich in eine Kommilitonin verliebt, die überhaupt nicht zu ihm passt . Er verabscheut das neue leichte Leben zutiefst. Es ist für ihn oberflächlich und nutzlos. Es kommt wie es kommen muss: der Nerd scheitert kläglich in seinen Versuchen, sich wie ein „normaler“ Mensch zu verhalten.

Neben seinem schrägen Protagonisten beschreibt der Roman auch das Berliner Lebensgefühl absolut genial. In der Großstadt kann jeder so sein, wie er gerne ist und seine Macken ausleben.

Ein außergewöhnlicher Roman mit einem außergewöhnlichen Protagonisten, den man entweder spontan ins Herz schließt oder verabscheut. Ein Debütroman, der mich begeistert hat!

„Kress“ – Roman von Aljosha Brell, erschienen im September 2015 im Ullstein verlag, gebunden, 336 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-550-08109-5

Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Ullstein Verlag

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