Archiv für den Monat August 2015

„Sommer am Abgrund“ – Roman von Jane Casey

Jane Casey studierte Englische Literatur in Oxford und Irische Literatur am berühmten Trinity College in Dublin. Nach ihrem Studium arbeitete sie in verschiedenen Verlagen als Jugendbuchlektorin. Die 2. Auflage ihres Jugendromans „Sommer am Abgrund“ erschien im Juni 2015 bei dtv. Empfohlen wird der Roman für Leser ab 14 Jahren.

Einem Geheimnis auf der Spur

Die sechzehnjährige Jess hat sich ihre Sommerferien anders vorgestellt.  Statt den Sommer in London zu verbringen, muss sie mit ihrer Mutter in deren Heimatstadt Port Sentinel fahren. Dort möchte sich ihre Mutter mit ihrer Familie aussöhnen.

In Port Sentinel angekommen reagieren die Leute sehr seltsam auf Jess. Jeder starrt sie an, als hätte er gerade einen Geist gesehen. Bald findet Jess heraus, dass sie ihrer verstorbenen Cousine Freya unglaublich ähnlich sieht. Freya stürzte ein Jahr zuvor von den Klippen in den Tod. Bis heute ist ungeklärt, ob es sich um einen Unfall oder Selbstmord handelt.

Jess Neugier ist geweckt und so stellt sie selbst Nachforschungen über ihre Cousine und deren Tod an. Sie ahnt nicht, dass sie sich damit selbst in höchste Gefahr begibt.

Fazit

Der Roman wird aus der Perspektive von Jess in der Ich-Form erzählt. So ist man beim Lesen ganz nah an ihren Gedanken, Gefühlen und Handlungen dran. Jess ist ein Teenager, der seine Meinung vertritt und sich nicht von seinen Zielen abbringen läßt. Das bringt ihr so manchen Ärger ein.

Je mehr Jess in der Vergangenheit ihrer Cousine herumstochert, desto bedohlicher wird die ganze Situation. Und genau das wird auch in dem bedrohlichen und spannenden Erzählstil deutlich. Bis auf wenige Längen steigert sich die Spannung kontinuierlich und gipfelt in einem großartigen Showdown, der aber nicht das Ende des Romans bedeutet. Jess erfährt die Wahrheit über den Tod ihrer Cousine. Was danach passiert, ist leider nicht mehr ganz so spannend.

Dennoch ist dieser Jugendroman eine schöne Urlaubslektüre, die neben einer spannenden Handlung auch noch kleine Liebesgeschichten beinhaltet.

„Sommer am Abgrund“ – Roman von Jane Casey, erschienen im Juni 2015 bei dtv, Taschenbuch, 368 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-423-71629-1

Herzlichen Dank an den dtv für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Bildnachweis: copyright dtv

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„Der Krankheitsermittler. Wie wir Patienten mit mysteriösen Krankheiten helfen“ von Jürgen Schäfer

Prof. Dr. Jürgen Schäfer ist Herzspezialist und Leiter des »Zentrums für unerkannte Krankheiten« an der Universitätsklinik Marburg. Er hat viele Jahre in den USA geforscht. In seinen Vorlesungen unterrichtet Jürgen Schäfer seine Studenten am Beispiel von Folgen der TV-Serie Dr. House, dafür wurde er mit einem Preis für exzellente Lehre ausgezeichnet. Am 20. August 2015 erschien im Droemer Verlag sein Buch „Der Krankheitsermittler“, in dem Dr. Schäfer reale, seltene Krankheitsfälle vorstellt.

Spannende Detektivarbeit

Sobald nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen von einer Krankheit betroffen sind, gilt diese in der EU als seltene Krankheit. Nach Schätzungen leben in Deutschland 4 Millionen Menschen mit einer sehr seltenen Erkrankung. In der gesamten EU geht man von mehr als 30 Millionen Menschen aus.

Für diese Menschen ist Prof.  Dr. Jürgen Schäfer oft die letzte Hoffnung. Er hat sich der schwierigen Aufgabe verschrieben, Patienten, deren Beschwerden extrem schwer zu diagnostizieren sind, zu helfen. Oft haben die Erkrankten eine jahrelange Odyssee durch Praxen und Krankenhäuser hinter sich. In seinem Buch hat Jürgen Schäfer die dramatischsten und medizinisch interessantesten Fälle zusammengefasst. Dabei zeigt sich, welche Möglichkeiten die modernen Diagnoseverfahren heute bieten, vorausgesetzt engagierte Ärzte und Spezialisten wissen diese richtig zu deuten.

Fazit

Dieses Sachbuch liest sich so spannend wie ein Krimi. Die hier vorgestellten Krankheitsfälle sind wirklich außergewöhnlich. Wie in einem Roman beschreibt Dr.Schäfer die Lebensumstände der Patienten, ihre oft jahrelangen vergeblichen Arztbesuche und schließlich die richtige Diagnose, die ihnen endlich Linderung bzw. Heilung brachte. Dabei übt er auch konstruktive Kritik an unserem Gesundheitssystem.

Es ist einfach toll, dass es Ärzte wie Dr.Schäfer und sein Team gibt, die Menschen nicht als Hypochonder abstempeln und ihre Beschwerden erst nehmen.

Ein sehr unterhaltsam geschriebenes Sachbuch, das zum Nachdenken anregt.

„Der Krankheitsermittler. Wie wir Patienten mit mysteriösen Krankheiten helfen“ von Jürgen Schäfer, erschienen am 20. August 2015 im Droemer verlag, gebunden, 256 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-426-27644-0

Herzlichen Dank an den Droemer Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Droemer Verlag

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Kreatives für Groß und Klein – Neue Bücher aus dem Compact Verlag

In der Reihe Compact Kids des Compact Verlags sind zwei neue Beschäftigungsbücher für KInder erschienen:

Mein magisches Malbuch zum Entspannen

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Mit dem detailreichen und wunderschön vorkolorierten Zeichenbuch Mein magisches Malbuch zum Entspannen begeben sich Kinder und Erwachsene auf eine Entspannungsreise mit dem Buntstift. Die detailreichen Bilder zum Aus- und Weitermalen regen die Fantasie nicht nur von Kindern an und bringen den Zusammenhang von Farben und Gefühlen näher.

Während des Ausmalens können sich Kinder und Erwachsene wunderbar entspannen. Die einzelnen Farben wirken dabei unterstützend: blau und grün wirken beruhigend während rot und orange neue Energie schenken.

128 vierfarbige Seiten nehmen kleine und große Künstler mit an farbenfrohe Orte: schlafende Füchse, beruhigende Berglandschaften sowie putzige Vögel in beruhigenden Farbnuancen stärken die Konzentration und lassen die Gedanken zur Ruhe kommen.

ISBN 978-3-8174-9853-6, 7,99 Euro

Die schönsten Bastelideen für Kinder

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Kleine Kinder ab 5 Jahren werden in 10 Themenkapiteln in die wunderbare Welt des Bastelns eingeführt. Über 110 Bastelprojekte lassen keine Langeweile aufkommen. Mit einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen werden Konzentration, Feinmotorik und Kreativität gefördert. Die vielen Vorlagen machen Lust, sofort mit dem basteln anzufangen. Ob aus Papier, Wolle, Knete oder Naturmaterialien – die Auswahl an kreativen Bastelprojekten ist groß.

Alle vorgestellten Bastel-Projekte wurden humorvoll und farbenprächtig von Anke am Berg illustriert.

ISBN 978-3-8174-9772-0, 9,99 Euro

Herzlichen Dank an den Compact Verlag für die Bereitstellung der Rezensions- sowie Verlosungsexemplare.

Bildnachweis: coypright Compact Verlag

Unsere Bücherverlosung findet ihr hier:

https://mainbergsverlosungen.wordpress.com/2015/08/31/kreatives-fuer-gross-und-klein-buchverlosung-von-buechern-des-compact-verlags/

„Grabesstimmen“ – Roman von Charlaine Harris

Charlaine Harris schrieb während ihrer College-Zeit Geistergeschichten, Gedichte und Theaterstücke. Nach dem College folgten zunächst einige Jahre mit Gelegenheitsarbeiten, bis sie endlich vom Schreiben leben konnte Heute schreibt sie Romane, die eine Mischung aus Science-Fiction, Liebes- und Gruselgeschichte sowie Märchen sind. Mit ihrem Roman „Grabesstimmen“ schrieb sie den ersten Teil einer Serie mit ihrer Protagonistin Harper Connelly, die Tote finden und ihre Todesursache nachempfinden kann. Erschienen ist der Roman bei dtv. Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Christiane Burkhardt.

Gelungener Serienstart

Die junge Harper Connelly wurde als Teenager vom Blitz getroffen. Seitdem kann sie vermisste Tote finden und deren letzte Momente nacherleben. Mit dieser außergewöhnlichen Gabe verdient Harper jetzt ihr Geld. Zusammen mit ihrem Stiefbruder, Manager und Bodyguard Tolliver fährt sie für einen neuen Auftrag in die Kleinstadt Sarne in Arkansas, um dort nach einem verschwundenen Teenager zu suchen. Das Mädchen und ihr Freund verschwanden zusammen. Da man den Freund der vermissten Jugendlichen bereits erschossen aufgefunden hat, liegt die Vermutung an einen erweiterten Selbstmord nahe.

Harpers Auftrag ist schnell erledigt, doch sie findet heraus, dass beide Jugendlichen ermordet wurden. Schnell wollen Harper und Tolliver das Städtchen wieder verlassen, doch Tolliver wird unter einem fadenscheinigen Vorwand verhaftet und auf einmal ist auch Harpers Leben in Gefahr. Ganz eindeutig stimmt etwas nicht in Sarne.

Fazit

In einem erfrischenden flotten Schreibstil wird der Roman aus Harpers Sicht ertählt. Neben einer spannenden Krimihandlung punktet der Roman mit jeder Menge Mystery und auch einer Prise Sex.

Krimifans werden relativ schnell den Täter und seine Motive erkennen. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, denn die übersinnlichen Momente peppen alles noch mal auf.

Harper und Tolliver sind sympathische Protagonisten, die mit vielen persönlichen Problemen zu kämpfen haben. Auch ihr Job macht ihr Leben nicht unbedingt einfacher, denn oft werden sie misstrauisch beobachtet und nach Auffinden eines Toten aus der Stadt vertrieben.

Mich hat der Roman bestens unterhalten. Man muss beim Lesen nicht viel nachdenken und bekommt eine originelle Geschichte geliefert. Ich freue mich schon auf die anderen Bände der Serie!

„Grabesstimmen“ – Roman von Charlaine Harris, erschienen als Taschenbuch bei dtv, 288 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-423-21051-5

Herzlichen Dank an den dtv für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright dtv

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„Honigtot“ – Roman von Hanni Münzer

Bereits als kleines Kind liebte Hanni Münzer Bücher. Aus der Liebe zum Lesen wurde eine Leidenschaft zum Schreiben. Bereits ihr Debütroman wurde zu einem Bestseller. 2015 erschien ihr Roman „Honigtot“ im Piper Verlag als Taschenbuch. Um diesen Roman schreiben zu können, hat die Autorin umfangreiche Recherchen gestartet und mit vielen Zeitzeugen gesprochen. Darunter war auch Hitlers Patensohn Egon Hanfstängl und dessen Verlobte Irene.

Intensives Familienporträt

Felicitys Großmutter Maria starb 2012 in einem Pflegeheim und so macht sich ihre Tochter Martha nach Seatlle auf, um dort ihr Zimmer auszuräumen. Merkwürdigerweise kehrt Martha nicht mehr nach Hause zurück. Ihre Tochter Felicity macht sich voller Sorgen auf die Suche nach ihrer Mutter und erfährt, dass diese ganz plötzlich nach Rom geflogen ist.

Sie findet Martha völlig aufgelöst in einem Hotelzimmer. Inmitten alter Zeitungsausschnitte und Dokumente. Allerdings sind diese teilweise in Hebräischer Schrift verfasst. Bei den Dokumenten handelt es sich um die Lebenserinnerungen Marias. Felicity begibt sich auf die Spuren ihrer eigenen Familienvergangenheit und auf ein quälendes Geheimnis aus der dunkelsten Zeit unserer Geschichte. Sie erfährt die wahre Geschichte ihrer Urgroßmutter Elisabeth und deren Tochter Deborah:

Man schreibt das Jahr 1923: Elisabeth Malpran, eine junge Sängerin, ist glücklich mit einem jüdischen Arzt verheiratet. Sie lebt mit ihrer Familie ein sorgenfreies Leben und denkt nicht daran, dass der Nationalsozialismus auch ihr gefährlich werden könnte. Bald wird Hitlers Macht immer größer und Elisabeths Kinder Deborah und Wolfgang, die beide Halbjuden sind, leben in größter Gefahr.

Die Familie entschließt sich, getrennt nach London zu fliehen. Während Elisabeth wohlbehalten dort ankommt, fehlt von ihrem Mann jede Spur. Niemand weiß etwas über seinen Verbleib. Es folgt für die junge Frau ein Leben voller Angst und Sorge.

Um ihre beiden Kinder zu schützen, geht sie 2 Jahre nach dem Verschwinden ihres Ehemannes eine neue Ehe mit dem Obersturmbannführer Albrecht Brunnmann ein. Als Elisabeth im Alter von 41 Jahren stirbt, wird ihre Tochter Deborah die Geliebte Brunnmanns. Bald erkennt sie, dass dieser großen Einfluss auf die Judenverfolgung hat und ihre Zuneigung verwandelt sich in Hass.

Fazit

Die Autorin schuf mit diesem Roman eine beeindruckende Familiengeschichte über mehrere Generationen in der Zeit von 1923 bis zum Ende des 2. Weltkriegs und als Rahmenhandlung die Zeit der Gegenwart. Ihr Schreibstil ist sehr realitätsnah und sehr gut recherchiert. Beim Lesen befindet man sich mitten in der dunkelsten Geschichte Deutschlands. Politische Ereignisse werden gekonnt mit einer fiktiven Familiengeschichte verknüpft.

Mir sind die Schicksale der Protagonisten zum Teil sehr nahe gegangen, zumal man weiß, dass es genauso auch in der Realität gewesen sein könnte. Obwohl das Thema des Romans sehr belastend ist, konnte ich das Buch kaum aus der Hand lesen, so sehr fesselte mich die Geschichte.

Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und auf beeindruckende Weise dem Leser die Nazizeit erklärt und nahe bringt. Für mich eines meiner Lieblingsbücher 2015!

„Honigtot“ – Roman von Hanni Münzer, erschienen 2015 im Piper Verlag als Taschenbuch, 480 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-492-30725-3

Herzlichen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Bildnachweis: copyright Piper Verlag

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„Die Pfeiler der Macht“ – historischer Roman von Ken Follett

Ken Follett ist als Autor von über 20 Bestsellern bekannt. Seine historischen Romane verbinden geschickt Tatsachen mit fiktiven Begebenheiten zu einer spannenden Geschichte. Politische Irrungen und Wirrungen waren oft das Thema seiner Bücher. Sein historischer Roman „Die Pfeiler der Macht“ erschien im Juni 2015 als Taschenbuch im Bastei Lübbe Verlag. In diesem Roman ist erstmalig eine weibliche Protagonistin der Bösewicht. Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Till R. Lohmeyer und Christel Rost.

Familienporträt des 19. Jahrhunderts

Das Haus Pilaster, eine der angesehensten Bankiersfamilien Londons, wird insgeheim von der schönen Augusta beherrscht. Hinter einer Fassade der Wohlanständigkeit treibt sie rücksichtslos ihre ehrgeizigen Pläne voran, die schon bald das Fundament des Finanzimperiums erschüttern und die Pfeiler seiner Macht ins Wanken bringen. Wird es ihrem begabten Neffen Hugh Pilaster gelingen, den drohenden Ruin des Bankhauses abzuwenden und damit sein eigenes Lebensglück und das vieler anderer Menschen zu retten?

Fazit

In diesem historischen Roman widmet sich Ken Follett dem Bankwesen im 19. Jahrhundert in England. Im Mittelpunkt steht die Bankiersfamile Pilaster, die von der herrschsüchtigen Augusta dominiert wird. Ihre selbstsüchtigen und egoistischen Handlungen bringen das ganze Imperium in Schieflage.

Die Banken-Thematik ist auch heute noch sehr aktuell, obwohl der Roman im 19. Jahrhundert spielt. Mehrere Handlungsstränge werden gekonnt miteinander verwoben und punkten mit viel Dramatik, Spannung und überraschenden Wendungen. Ken Follett beschreibt ausführlich das Leben der Oberschicht und streift dabei auch die unteren Schichten der englischen Gesellschaft.

Dieses Buch fesselte mich von Anfang bis Ende, zumal bei Ken Follett das erste Mal eine Frau die Böse ist und wirklich nur für ihren eigenen Vorteil handelt.

Ein großartiger Roman von Ken Follett, der leicht lesbar ist und beste Leseunterhaltung bietet!

„Die Pfeiler der Macht“ – historischer Roman von Ken Follett, erschienen im Juni 2015 als Taschenbuch im Bastei Lübbe Verlag, 621 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-404-17232-0

Herzlichen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Bastei Lübbe

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„Der gestohlene Sommer“ – Roman von Lauren Willig

Seit Lauren Willig sechs Jahre alt ist, schreibt sie Liebesromane. Nachdem sie ein Jahr in einer New Yorker Rechtsanwaltskanzlei arbeitete, entschied sie sich, nur noch Bücher zu schreiben. Ihr neuer Roman „Der gestohlene Sommer“ erschien 2015 im Wunderlich Verlag. Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Mechthild Sandberg-Ciletti.

Ein dunkles Familiengeheimnis

Als die New Yorker Anwältin Julia Conley 2009 erfährt, dass sie ein Anwessen namens Herne Hill in der Nähe von London von ihrer Großtante geerbt hat, kann sie es kaum glauben. Seit sie sechs Jahre alt war und ihre Mutter bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, verdrängte Julia alle Erinnerungen an ihre frühe Kindheit und war nie wieder in London.
In Herne Hill angekommen, will Julia das Haus so schnell wie möglich verkaufen. Doch dann findet sie, verborgen hinter einer Schrankwand, ein präraffaelitisches Gemälde. Wer ist die porträtierte Frau? Und warum sieht sie so traurig aus? Zusammen mit dem attraktiven wortkargen Antiquitätenhändler Nicholas und ihrer Cousine Natalie stellt Julia Nachforschungen über das Bild an. Als sie einem 150 Jahre alten Geheimnis um eine verlorene Liebe auf die Spur kommen, wird Julia klar, dass der spektakuläre Fund mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun hat. Und plötzlich kommt ihre Erinnerung wieder…

Im Jahr 1839 heiratet die junge Imogen Hadley den wesentlich älteren Kunstsammler Arthur Grantham. Sie lebt mit ihm auf seinem Anwesen Herne Hill, das bald zu ihrem Gefängnis wird. Arthur braucht Imogen nur noch zu Repräsentationszwecken und verwehrt ihr den Zugang zu Wissen, nach dem sie sich so sehr sehnt. Auf den Anwesen lebt auch noch die Schwester von Arthurs erster Frau, die Imogen das Leben zur Hölle macht. Nur Arthurs Tochter Evie aus erster Ehe bringt etwas Freude in in ihr trostloses Leben. Imogen ist von Tag zu Tag unglücklicher. Erst als sie den jungen Künstler Gavin Thorne kennenlernt, kann sie wieder Freude empfinden. Doch ihr heimliches Glück ist in großer Gefahr.

Fazit

Ich liebe Familiengeschichten mit dunklen Geheimnissen, die auf mehreren Ebenen spielen. Und genau damit punktet der berührende Roman von Lauren Willig.

Zwei Frauenschicksale, die durch das Anwesen Herne Hill miteinander verbunden sind. Durch die Perspektivwechsel zwischen Vergangenheit (1839) und Gegenwart (2009) kommt man dem Familiengeheimnissen langsam auf die Spur. Dramatik, Spannung und hohe Emotionalität zeichnen den Roman aus, der mich über Stunden gefesselt hat und den ich kaum aus der Hand legen konnte.

Einziges Manko für mich ist das recht offen gehaltene Ende und viele unbeantwortete Fragen. Ich mag eher Romane mit einem runden Abschluß. Wen das nicht stört, wird mit einem fesselnden Mix aus Drama, Familiengeschichte und Liebesroman belohnt.

„Der gestohlene Sommer“ – Roman von Lauren Willig, erschienen 2015 bei Wunderlich, gebunden, 448 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-8052-5081-8

Herzlichen Dank an den Wunderlich Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Bildnachweis: copyright Wunderlich Verlag

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„Um Leben und Tod. Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern“ von Henry Marsh

Henry Marsh ist einer der besten Neurochirurgen Englands und arbeitet als Consultant Neurosurgeon am Atkinson Morley’s / St. George’s Hospital in London. Mit einer von ihm gegründeten Stiftung operiert Marsh häufig in der Ukraine, wo er sich Patienten widmet, die sonst ohne ärztliche Hilfe blieben. Über ihn und seine Arbeit sind zwei preisgekrönte TV-Dokumentationen gedreht worden. 2010 wurde ihm der britische Verdienstorden verliehen.Über seine Arbeit als Hirnchirurg schrieb Henry Marsh ein berührendes Buch. „Um Leben und Tod“ lautet der Titel des Werks, welches 2015 bei DVA veröffentlicht wurde. Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von Katrin Behringer.

Erfolge und Niederlagen bestimmen sein Leben

In 25 Kapiteln begleitet der Leser Henry Marsh bei seiner Arbeit. Seine berührenden und schonungslosen Geschichten erzählen von den Ausnahmesituationen, denen der Hirnchirurg während seiner Arbeit ständig ausgesetzt ist. Denn die Operationen am Gehirn eines Menschen sind immer mit großen Risiken verbunden und schaden dem Patienten oft, während sie gleichzeitig sein Leben retten. Daher operiert er meistens während der Patient wach ist und mit ihm redet. So kann er während der Operation feststellen, wie weit er ins Gehirn schneiden kann (das selbst keinen Schmerz empfindet).

Marsh operierte während seines 30jährigen Arbeitslebens fast 8.000 Gehirne. Ist die Operation erfolgreich verlaufen, ist er ein Held für den Patienten. Bei schlechtem Ausgang wird er verteufelt. Trotz der vielen Operationen ist seine Arbeit für ihn keine Routine, denn er muss bei jeder Operation damit klarkommen, dass das Leben des Patienten von seiner Kunst abhängt.

Oft fährt der Neurochirurg in die Ukraine, um dort Kranke zu operieren, die sonst keine Chance auf Heilung haben. Über diese Arbeit wurde 2007 ein Kinofilm mit dem Titel „Der englische Chirurg“ gedreht.

Fazit

Henry Marsh ist ein außergewöhnlicher Arzt, der Empathie und Demut empfindet. Er ist weder überheblich noch eitel – ganz im Gegenteil. Ehrlich und offen berichtet er von seinen Erfolgen und Misserfolgen. Dabei wahrt er die Würde seiner Patienten.

Die oft tragischen Schicksale berühren zutiefst und machen gleichzeitig auch Mut. Denn es gibt Ärzte wie Henry Marsh, die mit den Patienten fühlen und sich in sie hineinversetzen können.

Da das Buch in 25 einzelne Kapitel unterteilt ist, die jeweils eine abgeschlossene Geschichte beinhalten, kann man das Buch auch „quer“ lesen oder sich einen interessanten Fall heraussuchen.

Ein Sachbuch, dass so spannend wie ein Thriller ist – leicht lesbar und sehr informativ!

Unbedingte Leseempfehlung!

„Um Leben und Tod. Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern“ von Henry Marsh, erschienen 2015 bei DVA, gebunden, 352 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-421-04678-9

Herzlichen Dank  an DVA für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Bildnachweis: copyright DVA

Um Leben und Tod von Henry Marsh
Um Leben und Tod von Henry Marsh

„Der Garten der verbotenen Träume“ – Roman von Harriet Evans

Harriet Evans zählt in Großbritannien zu den großen Autorinnen der Frauenunterhaltung. Ihr neuer Roman „Der Garten der verbotenen Träume“ erschien am 3. August 2015 im Knaur Verlag.

Jeder hat seine Geheimnisse

Martha Winters 80. Geburtstag steht kurz bevor. Seit vielen Jahren ist ihre große Familie in alle Winde zerstreut und ihr Mann, ein berühmter Comic-Zeichner, entfernt sich mehr und mehr von ihr. Für die Feier zu ihrem Ehrentag hat Martha einen ganz besonderen Plan: Sie will alle Familienmitglieder wieder unter einem Dach vereinen und auf ihren geliebten Landsitz einladen – um ihnen ein furchtbares Geständnis zu machen.

Ihre drei Kinder und zahlreichen Enkel sehen Marthas Geburtstag mit Sorge entgegen und kommen eher widerwillig der Einladung nach: Bill, der älteste Sohn ist von Beruf Arzt und spielt seinen Eltern immer den perfekten Sohn vor, obwohl er sich auch als Erwachsener noch bevormundet fühlt. Daisy, die mittlere Tochter, ist labil und aggressiv und bleibt für alle Zeiten das Sorgenkind der Familie. Das Nesthäkchen Florence fühlt sich immer ungeliebt und floh deshalb nach Italien. Zur Familie gehören außerdem die Töchter von Bill und Daisy sowie Bills zweite Frau Karen, die sich längst von Bill abgewendet hat.

Fazit

Der Familienroman wird aus ständig wechselnder Perspektive erzählt, so dass man leicht den Überblick über alle beteiligten Personen verlieren kann. Aber genau durch diese ungewöhnliche Erzählart lernt man die einzelnen Protagonisten sehr gut kennen und versteht so ihre Beweggründe und Handlungen besser.

Nach und nach werden Geheimnisse gelüftet, die wirklich jeder Protagonist hat. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr offenbart sich dem Leser der Sinn dieser Art des Erzählens.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird mit einer spannenden und berührenden Familiengeschichte belohnt.

„Der Garten der verbotenen Träume“ – Roman von Harriet Evans, erschienen am 3. August 2015 im Knaur Verlag, Taschenbuch, 576 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-426-51661-4

Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Bildnachweis: copyright Knaur Verlag

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„Was ich dir noch sagen wollte“ – Roman von Tom McAllister

Der 1982 geborene Autor Tom McAllister ist Redakteur beim Barrelhouse Magazine, Mitbetreiber des Podcast Book Fight und unterrichtet Englische Literatur an der Temple University in Philadelphia. Sein Roman „Was ich dir noch sagen wollte“ erschien 2015 im Atlantik Verlag. Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Christa Schuenke.

Liebeserklärung an eine Tote

Von einem Tag auf den anderen wird der dreißigjährige Hunter Witwer. Eben war sie noch da, jung und voller Elan, nun ist Kait tot. Hunters Herz ist gebrochen. Unfähig, in sein altes Leben zurückzukehren, nimmt er die Urne mit Kaits Asche, lässt alles hinter sich und macht sich auf die Reise, die er seiner Frau immer versprochen hat, einmal quer durch Amerika, von Ost nach West. Eine Reise, auf der er in die kuriosesten Situationen gerät und den schrägsten Figuren begegnet. In seinen Gedanken und Erinnerungen an ihr gemeinsames Leben, an glückliche Momente und verpasste Chancen ist Kait immer bei ihm. Aber was wird die Zukunft bringen? Wird es Hunter gelingen, Kait gehen zu lassen?

Fazit

Hunter hat eine Form der Trauerbewältigung gefunden, die ihm den Verlust seiner großen Liebe Kait etwas erträglicher macht. Er geht mit ihrer Urne auf einen Roadtrip, denn dieser war einst der große Lebenstraum seiner Frau.

Am Anfang beginnt der Roman mit einer sehr langen Liebeserklärung an Kait. Durch einige Rückblenden in die Vergangenheit erlebt man, wie sich Hunter und Kait kennen- und lieben gelernt haben. Im Mittelpunkt des Romans stehen der Roadtrip und die unendliche Trauer von Hunter. Diese Trauer kann man beim Lesen spüren und nachempfinden.

Mit seinen vielen verschachtelten Sätzen im Roman fällt das Lesen nicht leicht, denn oft habe ich am Ende eines Satzes den Anfang vergessen. Nach einigen Seiten habe ich mich an diesen Erzählstil gewöhnt und ihn zum Schluß sogar gemocht.

Dieser Roman ist sehr speziell und bestimmt nicht jedermanns Sache. Mir hat er letztendlich doch noch ganz gut gefallen, zumal das Ende anders als erwartet war.

„Was ich dir noch sagen wollte“ – Roman von Tom McAllister, erschienen 2015 im Atlantik Verlag, Taschenbuch, 288 Seiten, 12,99 Euro, ISBN 978-3-455-65041-9

Herzlichen Dank an den Atlantik Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Atlantik Verlag

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