Archiv für den Monat März 2015

„Ein Samstag unter Freunden“ – Roman von Andrea Camilleri

Der 1925 geborene Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur Andrea Camilleri lehrte über zwanzig Jahre an der Accademia d’Arte Drammatica Silvio D’Amico. Seit 1998 landet jedes Buch des Autors auf den italienischen Bestsellerlisten. Mit seinem vielfach ausgezeichneten Werk hat er sich inzwischen auch einen festen Platz auf den internationalen Bestsellerlisten erobert. Im Dezember 2014 erschien sein Roman „Ein Samstag unter Freunden“ als Taschenbuchausgabe im rororo Verlag.

Sieben Freunde und ihr Kindheitstrauma

Fabio, Giulia, Andrea, Matteo, Anna, Gianni und Rena kennen sich schon seit ihrer Kindheit, die durch ein schreckliches Ereignis allen in unguter Erinnerung ist. Ihr Kindheitstrauma überschattete ihre gesamte Schul- und Jugendzeit. Erst jetzt, als Erwachsene, scheint es, als ob sie das Erlebte überwunden haben. Als sich die Freunde nach langer Zeit wiedersehen, kommt die unverarbeitete Vergangenheit mit aller Wucht an die Oberfläche. Und nichts ist mehr wie zuvor.

Fazit

Gleich zu Beginn des Romans lernt man die sieben Protagonisten als Kinder kennen und liest, welche Ereignisse ihr jeweiliges Leben bestimmt und verändert haben. Als Erwachsene sind alle erfolgreich in ihrem Beruf und führen ein Leben ohne besondere Vorkommnisse. Doch der Schein trügt. Zufällig treffen sich die ehemaligen Freunde eines Abends und müssen feststellen, dass die traumatischen Ereignisse in ihrer Kindheit längst nicht verarbeitet sind. Die Folgen sind dramatisch.

Camilleri nimmt den Leser mit in die Abgründe der menschlichen Seele. Er beschreibt, wie sich Kindheitstraumata auch noch im Erwachsenenalter bemerkbar machen und die Menschen in ihrem Wesen verändern können. Keine leichte Kost! Zusätzlich sind die Protagonisten sehr komplex miteinander verbunden. Diese Komplexität wird dem Leser häppchenweise offenbart. Ein tiefgründiger und hoch anspruchsvoller Roman, über den man noch lange nachdenkt! Unbedingte Leseempfehlung!

„Ein Samstag unter Freunden“ – Roman von Andrea Camilleri, erschienen als Taschenbuch im Dezember 2014 im rororo Verlag, 192 Seiten, 8,99 Euro, ISBN 978-3-499-25387-4

Herzlichen Dank an den rororo Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright rororo Verlag

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„Der Himmel über Berkeley Park“ – historischer Roman von Amy Forster

Die 1965 geborene Autorin Amy Forster veröffentlicht unter dem Namen Isabel Beto erfolgreich historische Sagas. Weiterhin schreibt sie auch Romantisches und Fantastisches. Nun hat sie sich ihrer neuen Liebe England zugewendet. Ihr neuer Roman „Der Himmel über Berkeley Park“ erschien im Februar 2015 im Knaur Verlag als Taschenbuch.

Deutschland/England anno 1911

Auguste von Schongau, die verwöhnte Tochter eines reichen Adligen, ist es gewohnt, ihren eigenen Kopf durchzusetzen. Als sie auf die Idee kommt, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, nimmt sie heimlich einen Job in einer heruntergekommenen Bar in Berlin an. Dort arbeitet sie als Sängerin und Bedienung. Während der Arbeit lernt sie Rhys kennen, einen vermögenden englischen Adligen.

Beide fühlen sich sofort stark zueinander hingezogen und beschließen nach einer heißen Liebesnacht, zu heiraten. Rhys nimmt Auguste auf seinen englischen Landsitz Berkeley Park mit, wo sie seiner Mutter begegnet. Obwohl diese viele Einwände gegen eine Hochzeit der beiden hat, heiratet das Paar.

Das Auguste zugeteilte Dienstmädchen Ella, die durch einen Unfall ihr Gedächtnis verlor, muss sich mit den ausgefallenen Wünschen seiner Herrin befassen. Auguste möchte sich selbst verwirklichen und ein Leben als Künstlerin führen. Nur Ella schafft es zeitweise, Auguste wieder in die Realität zurück zu holen. Doch eine Gemeinsamkeit haben die beiden so unterschiedlichen Frauen: die Liebe zu Augustes Ehemann Rhys.

Fazit

Der historische Roman „Der Himmel über Berkeley Park“ spielt in einer Zeit kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Hier prallen zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander: Auguste, die reiche und verwöhnte Adlige, trifft auf Ella. Ein Dienstmädchen, dass durch einen Unfall ihr Gedächtnis verlor und damit auch die Erinnerung an die Liebe zu Augustes Ehemann.

Rhys Mutter ist gegen die Hochzeit ihres Sohnes mit Auguste und lässt es diese auch ganz genau spüren. Leider kann sie nichts gegen ihre Schwiegertochter ausrichten. Bald leidet die alte Lady unter Herzanfällen und anderen gesundheitlichen Problemen. Auf Verständnis seitens ihres Sohnes kann sie dabei nicht hoffen, denn Rhys hält zu seiner Frau. Bald stellt sich heraus, dass die Befürchtungen von Rhys Mutter absolut berechtigt sind. Das Ehepaar verliert sich im Alltag und lebt sich auseinander.

Mit ihrem leicht lesbaren und sehr angenehmen Schreibstil versetzt die Autorin den Leser in eine Zeit des großen Umbruchs. Ihre Protagonisten sind typische Vertreter dieser Zeit. Man leidet und hofft mit ihnen, obwohl Auguste und ihre Handlungen manchmal etwas nervig ist.

Mich hat „Der Himmel über Berkeley Park“ sehr gut unterhalten und mir viele schöne Lesestunden beschert! Wer dramatische Romane im Stil von „Downton Abbey“ mag, wird diesen Roman lieben.

„Der Himmel über Berkeley Park“ – historischer Roman von Amy Forster, erschienen im Februar 2015 im Knaur Verlag, Taschenbuch, 480 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3426514818

Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Knaur Verlag

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„Lusitania. Kulturgeschichte einer Katastrophe“ von Willi Jasper

Der Publizist und Kulturwissenschaftler Willi Jasper war bis zum Jahr 2010 Professor für Germanistik und Jüdische Studien an der Universität Potsdam. Jasper veröffentlichte bereits mehrere Bücher zur Literatur- und Kulturgeschichte sowie Biografien über Heinrich Mann und Ludwig Börne. Sein Buch über den Untergang der Lusitania erschien im Februar 2015 im be.bra verlag.

Der Untergang eines Luxusdampfers

Am 7. Mai 1915 torpedierte ein deutsches U-Boot vor der Küste Irlands den luxuriösen Passagierdampfer »Lusitania«, der von New York nach Liverpool unterwegs war. Innerhalb kürzester Zeit versank das Schiff in den eisigen Fluten des Atlantiks und riss fast 1200 Menschen in den Tod, darunter viele Kinder, Frauen und bekannte US-Amerikaner. Obwohl drei Jahre zuvor die Menschen in Deutschland über den Untergang der Titanic entsetzt waren, empfanden sie jetzt große Freude über dieses schreckliche Unglück.

Ohne jede Vorwarnung wurde diese schreckliche Schiffskatastrophe herbeigeführt und trug massgeblich zum Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg bei. Gestützt auf anschauliche Zeitzeugenberichte und umfangreiches Archivmaterial legt Willi Jasper erstmals eine spannend geschriebene Kulturgeschichte dieses welterschütternden Ereignisses und seiner Folgen vor. Mit diesem Schiffsuntergang begann eine schreckliche Eskalation von Gewalt gegen Zivilisten.

Fazit

Leicht verständlich und spannend erklärt Willi Jasper die Folgen der Torpedierung der Lusitania für den Ruf Deutschlands. Dabei rekonstruiert er die Vorgänge auf dem Schiff bis zum Untergang. Die jeweiligen Folgen für Deutschland und Amerika werden ausführlich erklärt und dargelegt. Ein Buch so spannend wie ein Krimi!

„Lusitania. Kulturgeschichte einer Katastrophe“ von Willi Jasper, erschienen im Februar 2015 im be.bra verlag, gebunden, 19,95 Euro, ISBN 978-3-89809-112-1

Herzlichen Dank an den be.bra verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright be.bra verlag

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„Gruselhäuser: Ein Blick in die Abgründe von Wien“ – von Gabriele Lukacs

Die Buchautorin und Fremdenführerin Gabriele Lukacs veranstaltet regelmäßig sogenannte Mystery Tours zu den Schauplätzen der von ihr verfassten Bücher. 2014 veröffentlichte sie im Pichler Verlag ihr neues Buch „Gruselhäuser. Ein Blick in die Abgründe von Wien“. Peter Huber steuerte die ungewöhnlichen Bilder im Buch bei.

Der Hauch des Todes

Wien ist nicht nur eine ganz zauberhafte Stadt, sondern soll angeblich auch die Wiege der Vampire sein. Es wird glaubhaft überliefert,  dass einige Gebäude in Wien wahre Gruselhäuser sind. Den Tod kann man heute noch an diesen unheimlichen Orten spüren. Mörder, Betrüger und Halsabschneider trieben ihr grauenhaftes Handwerk in Wien. Und zwei blutsaugende Gräfinnen, sowie ein Vampirjäger hinterließen in der Donaumetropole bis heute ihre Spuren. Gabriele Lukacs hat sich auf gruselige Spurensuche begeben und einen Blick in Wiens Abgründe gewagt, den sie hier mit ihren Lesern teilt.

Fazit

Jeder Wien-Besucher sollte vor dem Besuch der Stadt auf jeden Fall einen Blick in dieses Buch werfen. Hier findet man unzählige Anregungen für eine eigene Grusel-Tour. Durch die genauen Adressangaben kann man sich sehr gut orientieren. Die schönen Fotos bieten neben den informativen Texten viel Wissenswertes über die einzelnen Häuser und Orte. Gänsehaut beim Lesen ist dabei garantiert. Und wer sich nicht allein auf eine Grusel-Tour traut, kann bei Gabriele Lukasc eine Führung zu diesem Thema buchen.

„Gruselhäuser: Ein Blick in die Abgründe von Wien“ – von Gabriele Lukacs, erschienen 2014 im Pichler Verlag, gebunden, 208 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 978-3854316787

Herzlichen Dank an den Pichler Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Pichler Verlag

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„Die Versuchung der Pestmagd“ – historischer Roman von Brigitte Riebe

Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie schrieb bereits viele erfolgreiche historische Romane. Ihr neues Buch „Die Versuchung der Pestmagd“ handelt von der verheerenden Pestepideimie im 16. Jahrhundert. Erschienen ist der Roman am 9. März 2015 im Diana Verlag als gebundenes Buch.

Mainz anno 1542

Nach ihrer Flucht aus Köln und damit vor der Pest, finden Vincent de Vries, Johanna und ihre Kinder in Mainz ihre neue Heimat. Kardinal Albrecht von Brandenburg stellt den fortschrittlichen Arzt Vincent als neuen Leibarzt ein, doch Johanna traut dem Kardinal nicht über den Weg. Eines Tages werden ihre schlimmste Befürchtungen wahr: ihre kleine Tochter Barbara verschwindet spurlos. Auf der Suche nach ihr irren Vincent und Johanna verzweifelt durch die Stadt. Die größte Gefahr droht ihnen dabei vom Ausbruch einer neuen tödlichen Krankheit, den Schwarzen Blattern.

Fazit

Mit „Die Versuchung der Pestmagd“ liegt jetzt der Nachfolgeband des Romans „Die Pestmagd“ vor. Man kann den zweiten Band durchaus lesen, ohne Band 1 zu kennen. Zum besseren Verständnis der Zusammenhänge empfiehlt es sich aber, zuerst „Die Pestmagd“ zu lesen.

Jetzt hat es die kleine Familie von Johanna, der Pestmagd, und Vincent, dem Arzt, nach Mainz verschlagen. Dort müssen sie sich gegen Intrigen, einen bösartigen Kardinal und eine neue tödliche Krankheit wehren. Auch die Vergangenheit Vincents, die Johanna belastet, steht zwischen den beiden. Zusätzlicher Stress entsteht mit dem Verschwinden der Tochter sowie dem impulsiven Verhalten Jakobs.

Viele verschiedene Handlungsstränge werden intelligent miteinander verknüpft und bringen Spannung und Dramatik in die Handlung. Riebes Erzählstil ist detailreich und fesselnd. Man hat beim Lesen das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Der Leser bekommt eine sehr realistische Darstellung des Lebens im 16. Jahrhundert mit all seinen Schwierigkeiten und Tücken.

Die Protagonisten und ihre Handlungsweisen werden sehr glaubhaft beschrieben. Man leidet und lacht gemeinsam mit ihnen und hofft, dass sich ihr Leben letztendlich zum Guten wendet.

Im interessanten Nachwort des Buches erklärt die Autorin viele interessante historische Fakten.

„Die Versuchung der Pestmagd“ hat mich sehr gut unterhalten und mir viele schöne Lesestunden beschert. Ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung dieser Buchreihe!

„Die Versuchung der Pestmagd“ – historischer Roman von Brigitte Riebe, erschienen am 9. März 2015 im Diana Verlag, gebunden, 448 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-453-29135-5

Herzlichen Dank an den Diana Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright Diana Verlag

Die Versuchung der Pestmagd von Brigitte Riebe

„Das Geschenk des Wesirs: Eine Weihnachtsgeschichte aus dem alten Mallorca“ von Ricarda Jordan

Die 1958 geborene Autorin Ricarda Jordan schreibt unter dem Namen Sarah Lark mitreißende Neusseland- und Karibikromane. Als Ricarda Jordan ist sie für ihre spannenden Historienromane bekannt. 2014 erschien im Kindler Verlag ihre bezaubernde Weihnachtsgeschichte „Das Geschenk des Wesirs“.

Anno 1229 im Mittelmeer

Der spanische Königs Jaume belagert mit seinem Heer die unter maurischer Herrschaft stehende Hauptstadt Mallorcas. Da die Christen alle Kapitulationsangebote des Wesirs ignorieren, drohen den Einwohnern jetzt Plünderungen, Versklavung und der Tod. In seiner Verzweiflung sendet der maurische Herrscher König Jaume ein Harems-Mädchen als Weihnachtsgeschenk, Samira wurde in allen Künsten der Liebe bestens ausgebildet und soll den König milde stimmen. In Wirklichkeit soll sie ihn töten. Samira glaubt, dass sie durch ihre Tat ihren Geliebten retten kann – doch das ist ein tragischer Irrtum.

Fazit

Obwohl Weihnachten seit Monaten vorbei ist, hat mich dieses weihnachtliche Märchen jetzt verzaubert. Ricarda Jordan, die sonst für ihre opulenten Neuseelandromane bekannt ist, entführt den Leser in das Jahr 1229 nach Mallorca. Neben einer Weihnachts- und Kriegsgeschichte erwartet den Leser auch eine kleine Liebesgeschichte. Alles verpackt in eine stimmungsvolle Erzählung aus 1001 Nacht.

Neben der bezaubernden und spannenden Erzählung haben mich außerdem der Leineneinband des Buches, das Lesebändchen sowie die schönen Illustrationen begeistert! Wer ein schönes Geschenk für Märchenliebhaber oder Fans von Historien-Romanen sucht, sollte sich dieses Buch genauer anschauen!

„Das Geschenk des Wesirs“ von Ricarda Jordan, erschienen 2014 im Kindler Verlag, gebunden, 144 Seiten, 12 Euro, ISBN 978-3-463-40379-3

Herzlichen Dank an den Kindler Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Kindler Verlag

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„Sehr geehrter Herr M.“ – Roman von Herman Koch

Der 1953 geborene Bestseller-Autor Herman Koch ist außerdem Kolumnist, Komiker und Fernsehmacher. Seine Romane standen zum Teil weltweit auf den Bestseller-Listen und mehrere Verfilmungen sind in Vorbereitung. Am 5. März 2015 erschien im Kiepenheuer & Witsch Verlag sein neuer Roman „Sehr geehrter Herr M.“. Die Übersetzung aus dem Niederländischen stammt von Christiane Kuby und Herbert Post.

Wer ist Täter, wer ist Opfer?

Der Autor Herman M., ein ehemals bekannter und gefeierter Schriftsteller, erhält unheimliche und bedrohliche Post von einem Leser. Angeblich hat dieser wichtige Informationen für ihn. Vor 40 Jahren schrieb M. einen Thriller, der auf Tatsachen beruhte. Seine damaligen Informationen stammten aus Zeitungsartikeln, den Rest reimte er sich zusammen. Der Geschichtslehrer Jan, der ein kurzes Verhältnis mit der attraktiven Schülerin Laura hatte, verschwand spurlos, nachdem er das Mädchen und ihren neuen Freund Herman in einem Ferienhaus im Süden Hollands überraschte. Das Verschwinden des Lehrers sorgte damals landesweit für Schlagzeilen, zumal Laura und ihr neuer Freund unter Mordverdacht standen. Seine geniale literarische Umsetzung dieses Kriminalfalls, in denen er die beiden mordverdächtigen Schüler zu überführten Mördern machte, brachte M. großen Ruhm, doch von dieser Berühmtheit ist heute nichts mehr übrig. Seltsamerweise interessiert sich seit kurzem M.s geheimnisvoller Nachbar für ihn. Was hat der Nachbar mit dem Verschwinden des Lehrers zu tun? Herman Kochs neuer Roman spielt auf vielen Ebenen: Er erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Jugendliebe, taucht ein in den Mikrokosmos Schule und führt in die Kulturszene Amsterdams.

Fazit

Die Handlung des außergewöhnlichen Romans findet in zwei Zeit- und Handlungsebenen statt: einmal in der Gegenwart und 40 Jahre zuvor. Dabei beeinhaltet der Roman mehrere Geschichten, die geschickt zu einem Ganzen zusammen geführt werden:

Herman M. schlachtet vor 40 Jahren einen Kriminalfall für seinen neuen Thriller schamlos aus und macht zwei junge Menschen darin zu Mördern. In der Gegenwart ist M. nur noch ein alter, arroganter Mensch, der von der Vergangenheit eingeholt wird. Ist es ein Zufall, das M. mit Vornamen Herman heißt, genau wie der damalige Freund Lauras? Sicher nicht!

Im folgenden Teil taucht man wieder in die Vergangenheit ein und Laura erzählt die früheren Ereignisse aus ihrer Sicht. In der nächsten Zeitebene begegnet man wieder dem Autor Herman M., der sich mit dem Briefeschreiber über die Entwicklung und Entstehung seines damaligen Romans austauscht.

Im weiteren Verlauf des Romans wechseln permanent die Zeitebenen – das bedarf einer gewissen Konzentration beim Leser. Sobald man beim Lesen denkt, man sei dem Geheimnis des Kriminalfalls ein wenig näher gekommen, wartet schon die nächste überraschende Wendung, die alles bisher gelesene in Frage stellt – absolut genial!

Dieser Roman ist anspruchsvoll, intelligent geschrieben und punktet zusätzlich durch eine hintergründige Abrechnung mit bösen Lehrern und noch böseren Schülern. Bis  zum überraschenden Ende wird der Leser im Ungewissen gelassen. Ein wahrer Pageturner, den man nicht so schnell vergisst!

„Sehr geehrter Herr M.“ – Roman von Herman Koch, erschienen am 5. März 2015 im Kiepenheuer & Witsch Verlag, gebunden, 400 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-462-04738-7

Herzlichen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Kiepenheuer & Witsch

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„Deine letzte Spur“ – Kriminalroman von Emily Barr

Emily Barr arbeitete als Journalistin und bereiste als Backpackerin viele Länder, bevor sie sich dem Schreiben von Romanen widmete. In England veröffentlichte sie bereits mehrere Bücher, die sehr gute Kritiken erhielten. „Deine letzte Spur“ ist ihr erster psychologischer Spannungsroman, der im Februar 2015 im Bastei Lübbe Verlag als Taschenbuch erschien. Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Anke Angela Grube.

Eine Frau und ihre Geheimnisse

Nachdem die 36jährige Lara erkannt hat, dass sie in ihrer Ehe unglücklich und mit ihrem bisherigen Leben nicht mehr zufrieden ist, nimmt sie einen neuen Job in London an und pendelt seitdem zwischen Cornwall und der Hauptstadt. Ihren Mann trifft sie nur noch am Wochenende.
Sam möchte seine Frau am Bahnhof abholen, doch Lara ist nicht im Zug. Als die Polizei im Zug auch noch eine männliche Leiche findet, steht Lara schnell unter Mordverdacht, denn sie ist der einzige Fahrgast, der seit dem Mord spurlos verschwunden ist.
Sam glaubt nicht an Laras Schuld und bittet ihre Freundin Iris um Hilfe. Diese befürchtet, dass Lara etwas zugestoßen ist. Auf der Suche nach Antworten beginnt Iris, die letzten Monate im Leben ihrer Freundin zu rekonstruieren und stößt dabei auf Ungeheuerliches. Ihre Recherchen führen sie von Cornwall bis hin nach Bangkok. Die schockierende Wahrheit über Laras Verschwinden kommt erst langam zum Vorschein.
Fazit
Nach einem Prolog beginnt die eigentliche Romanhandlung, in der Lara ihr früheres Leben schildert. Sie erzählt von ihrer Kindheit, ihren Verwandten und dem Leben mit ihrem Ehemann Sam in Cornwall. Dort lebten die beiden fast einsiedlerisch und ohne große Kontakte zu Freunden oder Nachbarn. Später lernt Lara ihre Freundin Iris kennen, ihre Ehe wird unglücklich und sie nimmt eine Arbeit in London an. Nebenbei beginnt sie noch eine Affäre.
Nach dem Verschwinden Laras wird der Roman aus der Sicht ihrer Freundin Iris geschildert. Nicht nur Lara verbirgt etwas vor den anderen, auch Iris hat ein Geheimnis.
Der Roman nimmt ständig an Fahrt und Spannung auf. Dabei stehen nicht blutrünstige Morde im Vordergrund, sondern das psychologisch ausgefeilte Zusammenspiel von Verdächtigungen, Spuren in die Vergangenheit und unerwarteten Wendungen. Die Auflösung ist völlig überraschend.
Ein unterhaltsamer Krimi, der mir schöne Lesestunden beschert hat.
„Deine letzte Spur“ – Kriminalroman von Emily Barr, erschienen im Februar 2015 im Bastei Lübbe Verlag, Taschenbuch, 462 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-404-17089-0
Herzlichen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Bildnachweis: copyright Bastei Lübbe
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„Die geheimen Worte“ – historischer Roman von Rebecca Martin

Rebecca Martins Leidenschaft gehört dem Reisen, der Geschichte und ihren Romanen. Ihr Buch „Die verlorene Geschichte“ gelangte sofort nach Erscheinen auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, gefolgt von den Romanen „Der entschwundene Sommer“ und „Die geheimen Worte“. Am 9. März 2015 erschien ihr neuer Roman „Die geheimen Worte“ als Taschenbuch im Diana Verlag.

Familiengeschichte und ihre Folgen

Im Jahr 1850 verlieben sich die Schwestern Anne und Sophie in den charmanten Engländer James Bennett, der zu Gast im Kurort Bad Kreuznach weilt. Beide Schwestern verheimlichen ihre Zuneigung zu ihm, denn Anne ist Ehefrau und Mutter einer kleinen Tochter, während die 18jährige Sophie sich nicht traut, ihre Gefühle zu offenbaren. Es kommt zur unausweichlichen Katastrophe als James beide Schwestern zurückweist. Erst zwei Generationen später, im Jahr 1923 in Frankfurt, kommt heraus, was damals wirklich geschah.

Im Jahr 1923 soll die 20jährige Marlene, Tochter eines Textilhändlers, ihren vermögenden Jugendfreund Albert heiraten. Die Hochzeit würde eine gute Geldeinlage für das Textilgeschäft ihres Vaters bedeuten, aber Marlene möchte über ihr Leben selbst bestimmen. Das liegt zum Teil auch an ihrer Bekanntschaft mit dem Künstler Adrian, den Marlene unbedingt wiedersehen möchte. Marlenes Mutter Gisela befürchtet, dass ihre Tochter denselben Fehler begehen könnte, wie einst ihre Vorfahrin und lässt ihr ein kleines Buch mit alten Aufzeichnungen zukommen. Doch Marlene lässt sich von ihren Zielen nicht abbringen.

Fazit

Der Familienroman „Die geheimen Worte“ spielt in zwei Zeitebenen in der Vergangenheit: 1850 begleitet der Leser zwei ungleiche Schwestern in Bad Kreuznach und 1923 spielt die Handlung in Frankfurt am Main. Beide Handlungsstränge werden im Wechsel erzählt. Obwohl Marlenes Mutter befürchtet, das ihre Tochter die gleiche Dummheit wie ihre Vorfahrin Sophie begehen könnte, ähneln sich die beiden Charaktere in ihren Handlungsweisen nicht. Marlene hat 1923 viel mehr Möglichkeiten und Freiheiten als Sophie im Jahr 1850, dennoch soll sie einen Mann heiraten, den ihre Eltern für sie ausgesucht haben. Beide Frauen sind in durch gesellschaftliche Zwänge in ihrem Leben eingeschränkt. Sie schaffen es jedoch einen Lebensweg für sich zu finden, da sie die Konsequenzen für ihr Handeln tragen.

Während der Zeitstrang 1850 durch die vielen Beschreibungen der Spaziergänge zeitweise einige Längen aufweist, ist die Handlung im Jahr 1923 aufregend und spannend. Man fühlt und leidet mit den Protagonisten mit, wenn sie nicht so leben können, wie sie es gern möchten.

Ein Roman, der dem Leser das Frauenbild vor 160 und 90 Jahren auf unterhaltsame Weise nahe bringt, symphatische Protagonisten hat und mit einem etwas unerwartetem Ende überrascht. Lesenswert!

„Die geheimen Worte“ – historischer Roman von Rebecca Martin, erschienen am 9. März 2015 im Diana Verlag, Taschenbuch, 432 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-453-35755-6

Herzlichen Dank an den Diana Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Diana Verlag

Die geheimen Worte von Rebecca Martin

„Die Frauen der Rosenvilla“ – Roman von Teresa Simon

Hinter dem Pseudonym Teresa Simon versteckt sich eine bekannte deutschen Autorin. Sie interessiert sich unter anderem für ungewöhnliche Schicksale und für die aufregende Geschichte der Schokolade. In ihrem Roman „Die Frauen der Rosenvilla“, der im Februar 2015 im Heyne Verlag erschien, nimmt sie den Leser mit auf eine zauberhafte Reise in die Vergangenheit nach Dresden.

Alte Familiengeheimnisse

Die Erbin einer bekannten und sehr alten Schokoladendynastie, Anna Kepler, eröffnet nicht nur in der Altstadt Dresdens ihre zweite Chocolaterie, sondern ist jetzt auch Eigentümerin der Familienvilla. Im wundervollen Rosengarten, von dem der Familiensitz seinen Namen hat, findet sie beim Umgraben eines Beets eine alte Schatulle. In der befinden sich neben Schmuckstücken und anderen Erinnerungsstücken auch viel lose Tagebuchseiten. Diese Tagebucheinträge stammen von einer Frau namens Emma, die einst vor hundert Jahren in der Rosenvilla lebte. Doch Anna hat noch nie von dieser Emma gehört.

Zusammen mit ihrer Freundin Hanka versucht sie, die losen Seiten in eine Reihenfolge zu bringen. Dabei stellen sie fest, dass es sich um Seiten aus drei verschiedenenTagebüchern handeln muss. Sie stammen aus der Zeit von 1892 bis 1940 und erzählen gehören Helene, Emma und Charlotte, die früheren Besitzerinnen der Rosenvilla. Je mehr Anna in den Tagebuchseiten liest, desto näher kommt sie einem alten Familiengeheimnis.

Fazit

Das romantische Cover, welches einen großen Garten mit einem Pavillon zeigt, fängt die Stimmung des Romans perfekt ein.

Im Roman werden die aufregenden Geschichte dreier bzw. von vier Frauen im Zeitraum von 100 Jahren erzählt. Der Erzählstil ist leicht lesbar und unterhaltsam. Als erstes lernt der Leser die Protagonistin Anna in der Gegenwart kennen, die im Garten ihres Anwesens zufällig auf eine vergrabene Schatulle mit Tagebuchseiten stößt.

Danach wechseln die Handlungsstränge immer wieder in die Vergangenheit und man lernt dort drei Frauen kennen, die vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg in der Rosenvilla lebten. Durch die Tagebucheinträge offenbart sich dem Leser und auch Anna nur nach und nach, was sich in der Vergangenheit zugetragen hat und auch heute noch Auswirkungen auf Annas Leben hat. Jede einzelne Protagonistin wird durch eine eigene Schriftart besonders hervorgehoben.

Besonders bildhaft und detailreich wird Dresden beschrieben – vor hundert Jahren bis hin zur heutigen Zeit. Man hat beim Lesen diese wunderschöne Stadt direkt vor Augen. Die Kombination von Historie, Schokoladenherstellung, Rosenzüchtung sowie Familiengeheimnissen ist hier perfekt gelungen. Ich habe diesen Roman förmlich verschlungen, da ich

  • Schokolade liebe
  • Rosen liebe
  • Dresden liebe
  • Geschichten über Familiengeheimnisse liebe

Besser kann man meine Leidenschaften in einem Buch gar nicht miteinander verbinden! Und ein „Sahnehäubchen“ erwartet den Leser am Ende des Romans: leckere Schokoladenrezepte, die zum Ausprobieren einladen.

Ein zauberhafter Roman voller Emotionen, den ich kaum aus der Hand legen wollte.

„Die Frauen der Rosenvilla“ – Roman von Teresa Simon, erschienen im Februar 2015 im Heyne Verlag, Taschenbuch, 448 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-453-47131-3

Herzlichen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright Heyne Verlag

Die Frauen der Rosenvilla von Teresa Simon