Archiv für den Monat Dezember 2014

Im Reich der Toten. Eine Kulturgeschichte der Beinhäuser und Ossuarien von Paul Koudounaris

Paul Koudounaris veröffentlichte nach der Erlangung seines Doktortitels der Kunstgeschichte viele Artikel in akademischen und populärwissenschaftlichen Zeitschriften. Für sein Buch „Im Reich der Toten“ besuchte und fotografierte er mehr als siebzig Beinhäuser und Ossuarien in fast zwanzig Ländern. Der opulente Bildband erschien im Juli 2014 bei h.f.ullmann publishing.

Großartige Kulturgeschichte

Seit Beginn der Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert hinein entstanden aufwendig verzierte Beinhäuser, Grabstätten und Kapellen, in denen Gebeine dekorativ verwendet wurden.

In seinem Buch nimmt der Autor den Leser mit auf eine Reise zu den eindrucksvollsten Beispielen des Makabren – von Europa über Asien bis nach Mittel- und Südamerika. Faszinierende Fotos und Illustrationen sowie ein Begleittext, der sich aus einer Vielzahl von Quellen speist, machen aus diesem Werk ein grundlegendes Memento mori für die moderne Zeit.

Fazit

Auf 224 reich bebilderten Seiten erzählt Paul Koudounaris die faszinierende Kulturgeschichte der europäischen Kapellen, Grabstätten und Beinhäuser. Man muss die Fotos erst einmal auf sich wirken lassen, um sich mit dem Text beschäftigen zu können. Vieles mutet bizarr und gruselig an, aber wenn man sich näher mit dem Text beschäftigt, wird klar, dass man früher den Tod nicht aus dem Leben ausgrenzte und er nichts Erschreckendes an sich hatte.

In sechs großen Kapiteln erfährt der Leser viel Wissenswertes über alte Begräbnisrituale, Gedenkstätten und Totenkult. Eine Liste mit Landkarten, Lageplänen und Namen der Ossuarien vervollständigt den umfassenden Bildband, so dass der interessierte Leser gezielt danach suchen kann.

„Im Reich der Toten“ ist ein hochinteressant zu lesender Bildband, der mit seiner Fülle an großartigen Fotografien wohl einmalig ist und den Leser gleichzeitig berührt und schockiert. Absolut lesenswert!

„Im Reich der Toten. Eine Kulturgeschichte der Beinhäuser und Ossuarien“ von Paul Koudounaris, erschienen bei h.f.ullmann publishing, gebunden, Großformat, 224 Seiten, 39,90 Euro, ISBN 978-3848007127

Herzlichen Dank an h.f.ullmann publishing für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright h.f.ullmann publishing

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Das Lapislazuliherz – Jugendroman von Claire Singer

Claire Singer schreibt seit über als 20 Jahren Bücher, davon erst seit einigen Jahren Romane und Kurzgeschichten. Ihr Jugendroman „Das Lapislazuliherz“ erschien am 14.11.2014 im Boje Verlag. Empfohlen wird der Roman für junge Leser ab 12 Jahren.

Brüssel, Mitte des 15. Jahrhunderts

Die 13-jährige Louise hat einen großen Traum:  sie will unbedingt Malerin werden. Im 16. Jahrhundert ist dieser Beruf für eine junge Frau unmöglich machbar. Trotzdem fasst Louise einen gefährlichen Plan: Sie verkleidet sich als Junge und spricht bei Rogier van der Weyden vor, einem der größten Maler seiner Zeit. Tatsächlich darf Louise, die sich von nun an Louis nennt, als Geselle bei ihm anfangen. Und Rogier van der Weyden erkennt schnell, was für ein großes Talent in dem jungen Mädchen steckt. Doch unter den Gesellen gibt es Neider, die ihr dieses Talent nicht gönnen.
Als Louise bei einer Porträtsitzung dann auch noch den 14-jährigen Raphael de Mercatel kennenlernt, ist es um sie geschehen: Sie verliebt sich Hals über Kopf in den jungen Grafen – nicht ahnend, dass sie sich damit in große Gefahr begibt …

Fazit

Der Jugend-Historienroman wird aus Louises Sichtweise erzählt. Man erfährt ganz nebenbei viel Interessantes über die Menschen und ihre Arbeit in der Zeit des Spätmittelalters. „Das Lapislazuliherz“ ist nicht nur ein historischer Jugend-Roman, sondern gleichzeitig auch eine spannende Liebesgeschichte, die leicht lebsbar ist und dem Verständnis junger Leser angepasst ist.

Am Ende des Buches erklärt die Autorin, welche Personen ihrer Fantasie entstammen und welche wirklich damals gelebt haben. Unbedingte Leseempfehlung für alle, die sich für das Mittelalter und Malerei im Speziellen interessieren und spannende Liebesgeschichten mögen.

„Das Lapislazuliherz“ Jugendroman von Claire Singer, erschienen im November 2014 im Boje Verlag, 320 Seiten, gebunden, 14,99 Euro, ISBN 978-3-414-82403-5

Die Autorin bedankt sich ganz herzlich beim Boje Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Boje Verlag

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Sam Thomas: Die Hebamme und das Rätsel von York – Rezension des historischen Romans

Sam Thomas ist promovierter Historiker und unterrichtet Geschichte an einer Privatschule. „Die Hebamme und das Rätsel von York ist sein erster Debüt- Roman, der in deutscher Sprache im Juli 2014 im Bastei Lübbe Verlag erschien.

York im Jahr 1644

Zur Zeit des englischen Bürgerkriegs wird York von Rebellen belagert. Das Leben in der Stadt ist schwer und Hinrichtungen sind an der Tagesordnung. Auch Esther, eine Freundin der einflussreichen Hebamme Bridget, wartet im Kerker auf ihre Hinrichtung, denn sie soll ihren Ehemann vergiftet haben. Doch Bridget bestätigt Esther eine Schwangerschaft und verschafft sich so Zeit, deren Unschuld zu beweisen. Gemeinsam mit ihrer Magd Martha macht sich die Hebamme auf die Suche nach dem wahren Mörder – eine Suche, die die beiden Frauen von den Gassen der Elendsviertel bis zu den mächtigsten Familien der Stadt führt und sie in höchste Gefahr bringt.

Fazit

„Die Hebamme und das Rätsel von York “ ist der Auftaktroman zu einer historischen Krimi-Serie, in der die Hebamme Bridget und ihre Magd Martha aufregende Abenteuer erleben.

Viele spannende Wendungen, informative historische Details und ungewöhnliche Protagonisten zeichnen diesen historischen Roman aus. Die Beschreibungen des Hebammen-Lebens im 17. Jahrhundert sind spannend und sehr interessant zu lesen und man bekommt eine Vorstellung davon, wie schwer das damalige Leben war. Ein sehr gelungenes Roman-Debüt, das neugierig auf die weiteren Roman mit der Hebamme Bridget macht.

Die Autorin bedankt sich ganz herzlich beim Bastei Lübbe Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Bastei Lübbe

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„Die Hebamme und das Rätsel von York“ von Sam Thomas, erschienen im Bastei Lübbe Verlag, Taschenbuch, 381 Seiten, 8,99 Euro, ISBN 978-3-404-16785-2

 

Sinuhe der Ägypter – historischer Roman von Mika Waltari

Der 1979 verstorbene finnische Schriftsteller Mika Waltari zählt zu den erfolgreichsten Autoren seines Landes. Nach dem Studium der Theologie, Literaturwissenschaft und Philosophie arbeitete er als Journalist, Übersetzer, Literaturkritiker und freier Schriftsteller. Sein umfangreiches Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. „Sinuhe der Ägypter“ aus dem Jahr 1945 war Mika Waltaris größter Erfolg. Im September 2014 erschien der historische Roman in einer ungekürzten Übersetzung von Andreas Ludden im Bastei Lübbe Verlag.

Farbenprächtige Kultur- und Sittengeschichte

In der Einsamkeit der Verbannung, erfüllt von der Sehnsucht nach seiner Heimatstadt Theben, schreibt der ägyptische Arzt Sinuhe (1390 bis 1335 v. Chr.) die Geschichte seines bewegten Lebens nieder: von der Kindheit in einfachen Verhältnissen über eine Karriere als Leibarzt des Pharaos und abenteuerliche Reisen in alle Länder Kleinasiens bis hin zur Verbannung aus Ägypten. Sinuhes Lebensgeschichte ist zugleich eine farbenprächtige Kultur- und Sittengeschichte des östlichen Mittelmeerraums zur Zeit der Pharaonen.

Fazit

Mika Waltari entführt den Leser nach Ägypten in das 15. Jahrhundert vor Christus und lässt ihn mit seiner lebendigen Sprache in diese Zeit eintauchen. Man begleitet den ägyptischen Arzt Sinuhe auf seinen aufregenden und spannenden Reisen, gefährlichen Begegnungen und großen Schicksalsschlägen. Man mag diesen wunderbaren Roman gar nicht mehr aus der Hand legen.

Ein fulminanter und großartig geschriebener Roman, der fesselt und bewegt – muss man gelesen haben!!

„Sinuhe der Ägypter“ historischer Roman von Mika Waltari, erschienen 2014 im Bastei Lübbe Verlag, Taschenbuch, 1.102 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-404-17009-8

Herzlichen Dank  an den Bastei Lübbe Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright Bastei Lübbe

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Undressed. Aus einem Leben mit mir – Biographie von Wolfgang Joop

Der bekannte Modedesigner Wolfgang Joop verfasste seine Biographie als eine Art Interview, in dem er über sein aufregendes Leben und seine Arbeit als Designer spricht. Erschienen ist das Buch im Hoffmann und Campe Verlag.

Lebensbilanz eines talentierten Mannes

Wolfgang Joop polarisiert und faszinert zugleich. In seiner Biographie resümiert er erstmals über sein Leben, das alles ist, aber nicht Stillstand, Sättigung und Zufriedenheit: eine Kindheit in Potsdam, Verlust der Heimat, Neuanfang in Braunschweig, Autodidakt und Star der deutschen und bald der internationalen Modeszene, ein Leben in Hamburg, New York, Berlin und Potsdam, seine Rolle als Ehemann, Vater, Künstler, Modedesigner und Unternehmer. Im Gespräch mit Rebecca Casati erinnert sich Wolfgang Joop an Erfolge und Niederlagen, denkt über Mode und Kunst nach, über Frauen und Männer, und verrät seine Wünsche, Träume und Ängste.

Fazit

Joops Biographie ist ein ungeschöntes Dokument über ein bewegtes Leben mit vielen Höhen und genauso vielen Tiefen. Der Designer beantwortet ehrlich die an ihn gerichteten Fragen der Journalistin Rebecca Casati – auch wenn sie unbequem sind. Joops Biographie liest sich spannend, da der Leser einen seltenen Einblick hinter die Kulissen der Modewelt bekommt. Unterhaltsam und kurzweilig!

„Undressed. Aus einem Leben mit mir“ Biographie von Wolfgang Joop, erschienen im Hoffmann und Campe Verlag, gebunden, 223 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-455-50299-2

Die Autorin bedankt sich ganz herzlich beim Hoffmann und Campe Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright Hoffmann und Campe

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Wenn alle Stricke reißen – Roman von Jennifer Bentz

Die 1980 geborene Autorin Jennifer Bentz studierte Publizistik und Filmwissenschaft. Bekannt wurde sie für ihren autobiographischen Roman »Einfach mal klarkommen«, in dem sie ihr Burn-out verarbeitete.Im November 2014 veröffentlichte sie ihren neuen Roman „Wenn alle Stricke reißen“ im Ullstein Verlag.

Wer braucht schon eine Therapiecouch?

Was haben eine Kleptomanin, eine Phobikerin und eine Cholerikerin gemeinsam? Einen toten Therapeuten und ein Wohnungsproblem. An Ersterem sind die drei Frauen zum Glück nicht schuld, und eine WG ist eine geniale Lösung. Denn es gibt Schlimmeres als kleine Macken: rachsüchtige Exfreunde, missionarische Fahrlehrer oder übelwollende Kollegen. Mit alledem werden Lea, Tine und Vivien in Zukunft gemeinsam fertig.

Fazit

Drei völlig verschiedene Frauentypen sind die Protagonisten in Jennifer Bentz unterhaltsamen Roman „Wenn alle Stricken reißen“. Durch den Tod ihres Psychotherapeuten müssen sie zwangsweise eine andere Lösung für ihre psychischen Probleme finden und die lautet: in eine WG zusammenziehen und sich gegenseitig therapieren.

Dieser Roman zaubert dem Leser ein Lächeln ins Gesicht, denn er ist lebensfroh aus der Erzählerperspektive erzählt und nimmt so manches Problem mit viel Wortwitz auf die Schippe ohne ins Lächerliche abzugleiten.

Ein Frauenroman, der sympathische Protagonisten, eine unterhaltsame Geschichte sowie jede Menge Gefühl bietet – ideal für lange Winterabende!

„Wenn alle Stricke reißen“ Roman von Jennifer Bentz, erschienen om November 2014 im Ullstein Verlag, Taschenbuch, 352 Seiten, 8,99 Euro, ISBN 9783548286471

Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright Ullstein Verlag

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Das Ballettmädchen. Eine Berliner Novelle – Roman von Mori Ôgai

Der 1922 verstorbene Schriftsteller Mori Ôgai studierte Medizin und beendete seine Karriere als Militärarzt, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Sein Erstlingswerk „Das Ballettmädchen“ erschien in der japan edition im August 2014 im be.bra Verlag.

Berlin, Ende des 19. Jahrhunderts

Der japanische Student Toyotaro lernt 1888 in den Straßen Berlins die Balletttänzerin Elis kennen. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und wird seine große Liebe. Gemeinsam erlebt das ungleiche Paar Monate des Glücks – bis Toyotaro von seinem früheren Leben eingeholt wird. Man stellt ihm eine große Karriere in Aussicht und drängt ihn zur Rückkehr nach Japan. Doch inzwischen ist Elis schwanger! Im Konflikt zwischen seiner Liebe und der Stimme der Vernunft muss Toyotaro eine Entscheidung fällen.

Fazit

Ôgai selbst studierte vier Jahre lang in Deutschland.  Mit diesem, in großen Teilen, autobiographischem Roman verarbeitete er seine eigene aufgegebene große Liebe. Außerdem thematisiert er eine damalige große Problematik der japanischen Gesellschaft: die Zwickmühle, in der Japaner stecken, die sich von der asiatischen Denk- und Verhaltensweise lösen wollen, um im modernen Europa integriert zu werden.

Mit diesem Buch setzte sich der Autor ein Denkmal, denn es war das erste Werk, dass in der Ich-Form in Japan veröffentlicht wurde. Mit dieser bewegenden Liebesgeschichte wurde Ôgai zum Wegbereiter der modernen Literatur seines Landes.

„Das Ballettmädchen. Eine Berliner Novelle“ von Mori Ôgai, erschienen im be.bra Verlag, Paperback, 112 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-86124-919-1

Die Autorin bedankt sich ganz herzlich beim be.bra Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright be.bra Verlag

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Von Zeit und Fluss – Roman von Thomas Wolfe

Der 1938 verstorbene Autor Thomas Wolfe stammte aus bescheidenen Verhältnissen und schaffte es dennoch bis nach Harvard. Dort wurde Wolfe Dozent für amerikanische Literatur an der New York University. Kaum hatte sein Schaffen weltweit Anerkennung gefunden, starb er im Alter von nur siebenunddreißig Jahren. Jetzt erschien die erste Neuübersetzung seit 75 Jahren seines berühmten Romans „Von Zeit und Fluss“ im Manesse Verlag. Sie stammt von Irma Wehrli.

Amerikanisches Epos

Der unerfahrene und lebenshungrige Eugene ist auf der Suche nach sich selbst, nach seinem Bestimmungsort in der Welt. In Harvard und im New York der Zwanzigerjahre sammelt er erste Erfahrungen, lernt zu lieben, zu erkennen, zu denken, sich von falschen Vorbildern loszusagen und sich dabei selbst treu zu bleiben. Bloß keine Erstarrung in Routinen – alles in seiner reifenden Seele ist noch im Werden, in permanenter Umgestaltung. Der Held macht sich auf nach Paris, doch auch an diesem Sehnsuchtsort lässt ihn sein abenteuerliches Herz keine Ruhe finden. Was Eugene antreibt und was er sich über alle Wechselfälle des Lebens hinweg erhält, ist der Hunger nach Erkenntnis und sinnlichem Genuss. So folgen aus seiner Selbstsuche philosophisch und spirituell höchst anregende Reflexionen über das menschliche Dasein – über Sein und Werden, Zeit und Fluss.

Fazit

Auf 1200 Seiten erzählt Wolfe von der Suche nach Liebe, Freundschaft, Bildung und Wissen, die von vielen Rückschlägen und Enttäuschungen geprägt ist. Der Leser durchlebt mit Eugene seine Selbstzweifel und Sehnsüchte. Dabei ist der Roman auch gesellschaftskritisch und befasst sich mit den politischen Zuständen in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts.

Wer sich auf die 1.200 Seiten des Romans einlässt, liest ein großartiges Buch über die persönliche Entwicklung eines jungen Mannes im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung. Ein literarisches Kunstwerk, das seinesgleichen sucht!

„Von Zeit und Fluss“ – Roman von Thomas Wolfe, erschienen im Oktober 2014 im Manesse Verlag, gebunden, 1.200 Seiten, 39,95 Euro, ISBN 978-3-7175-2326-0

Herzlichen Dank an den Manesse Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright Manesse Verlag

Von Zeit und Fluss von Thomas Wolfe

Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics: Kaiserin Elisabeths intimste Freundin – Rezension

Gundula Walterskirchen studierte Geschichte und Kunstgeschichte. Die Historikerin und freie Journalistin war politische Redakteurin der „Presse“, schreibt Sachbücher, zudem Satire und Belletristik. Seit vielen Jahren zählt die österreichische Adelsgeschichte zur ihren Spezialgebieten. Gemeinsam mit der gebürtigen Ungarin Beatrix Meyer veröffentlichte Walterskirchen im September 2014 im Residenz Verlag ihr Buch „Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics“. In enger Kooperation mit ungarischen Museumskuratoren deckt sie nun das bisher unerforschte Schicksal der Hofdame und ihrer Familie auf.

Zeugnis aus der Zeit der Habsburger Monarchie

Die attraktive und sehr intelligente Hofdame Gräfin Marie Festetics, die engste Freundin Kaiserin Elisabeths, führte über Jahrzehnte hinweg ein ausführliches Tagebuch. Diese sensationelle Quelle wird nun erstmals umfangreich veröffentlicht. Auf mehr als 2000 Seiten beschrieb Festetics ungeschminkt das Leben am Kaiserhof und seine Intrigen, vor allem gegen die von ihr so verehrte Kaiserin. Die Hofdame analysiert „Sisis“ Charakter und berichtet über die Gefühle der Kaiserin und die Beziehung zu Kaiser Franz Joseph; sie urteilt messerscharf über die kaiserliche Verwandtschaft und die bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit.

Fazit

Wer immer schon einmal hinter die Kulissen von Kaiserin Sisis Leben schauen möchte, bekommt mit diesem Buch die großartige Gelegenheit dazu. Da es sich um ein Tagebuch handelt, wird alles aus Sicht der Hofdame Gräfin Marie Festetics erzählt. Gewöhnungsbedürftig ist die altertümliche Erzähl- und Schreibweise, in die man sich relativ schnell einliest.

Wer sich für Sisi und ihr Leben interessiert, erfährt in diesem Tagebuch viel Neues über das höfische Leben und die Intrigen gegen Kaiserin Sisi, über Politik und die Beziehung der Hofdame zur Kaiserin. Man sollte allerdings schon einige Vorkenntnisse haben, sonst sind viele Passagen schwer verständlich und lassen sich nicht in den Kontext einordnen.

Dieses Tagebuch ist eine hervorragende zeitgenössische Quelle, die so manches Klischee wieder zurechtrückt.

„Das Tagebuch der Gräfin Marie Festetics: Kaiserin Elisabeths intimste Freundin “ von Gundula Walterskirchen und Beatrix Meyer, erschienen im Residenz Verlag, gebunden, 304 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3701733385

Herzlichen Dank an den Residenz Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright Residenz Verlag

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„Kuckucksmörder“ – Thriller von Raimon Weber

Raimon Weber arbeitet als Schriftsteller, Hörspielautor und Medientrainer. Er leistet regelmäßig Beiträge zum Krimifestival „Mord am Hellweg“. Bei seinen Lesungen trägt der Autor die merkwürdigsten Methoden vor, wie man ums Leben kommen kann und plaudert aus seinem Berufsleben als Autor. Schließlich treibt ihn die Recherche auf hohe Schornsteine und in die geschlossene Forensik oder er lässt sich von Spezialisten vor Ort über die Entsorgung amputierter Gliedmaßen aufklären. Sein neuer Thriller „Kuckucksmörder“ erschien im November 2014 im Ullstein Verlag.

Das Böse mitten unter uns

Sie sind die perfekte Familie. Glauben alle. Nur er nicht. Er beobachtet sie. Verfolgt sie. Kennt ihre dunkelsten Geheimnisse. Denn er sieht jeden Schritt. Jeden Schlag. Bis er eines Tages selber zuschlägt. Die Familien als Geisel nimmt. Die perfekten Familienväter verschwinden spurlos. Doch keiner sieht etwas. Keiner weiß etwas. Nur die schwerkranke Polizistin Eva Flessner hat einen Verdacht. Was sie nicht ahnt: Er beobachtet auch sie …

Fazit

Ein Unbekannter nimmt perfekte Familien aufs Korn. Diese sind aber nur Außenstehende perfekt – in Wahrheit herrscht hier Gewalt in der Familie.

Die ersten Kapitel werden aus der Sicht Evas erzählt. Danach wechselt die Perspektive und es kommt ein unbekannter Mann zu Wort. Der Leser weiß ziemlich schnell, dass es der Mörder ist. Man erfährt, was ihn zu seinem Handeln bewegt und wie seine dramatische Kindheit verlief. Hauptaugenmerk des Thrillers liegt auf dem Täter, der eine Mission hat: Familien von ihren gewalttätigen Männern zu befreien.

Der Thriller ist leicht lesbar und spannend. Leider ist das Ende des Buches nicht abgeschlossen – daher darf man vielleicht auf einen neuen Fall mit Eva Flessner hoffen?

„Kuckucksmörder“ von Raimon Weber, erschienen im November 2014 im Ullstein Verlag, Taschenbuch, 288 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3548285344

Herzlichen Dank  an den Ullstein Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bildnachweis: copyright Ullstein Verlag

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